Festlandskandinavische Sprachen: Lehnwörter aus dem Mittelniederdeutschen

(Geschrieben: 2000; 

kleine Aktualisierung: 22. November 2012)

 

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Farblegende zu den Wörtern:

rot = Modernes Schwedisch, Dänisch und Norwegisch;

blau = Mittelniederdeutsch (MND=MNS und/oder MNL);

grün = verdrängte altwest- oder altostnordische Wörter;

lila: mittelskandinavische Wörter.

 

Andere Abkürzungen: arch. = archaisch; dial. = dialektal; fnND = Frühneuniederdeutsch; HD = Hochdeutsch; ND = Niederdeutsch (Plattdeutsch); Nyn. = Nynorsk; AN = Altnordisch; aschwed. = Altschwedisch.

 

Einführung und Orientierung

Definition der Begriffe:

Mittelniederdeutsch (MND)
Diese Bezeichnung wird verwendet, da die Wissenschaft sich nicht sicher ist, ob ein Lehnwort aus dem Mittelniedersächsischen (MNS) oder Mittelniederländischen (MNL) stammt. MND kann daher bedeuten, dass das Lehnwort von einem der beiden oder auch von beiden stammen kann.

Mittelniedersächsisch (MNS)
Bezeichnet die niederdeutschen Dialekte, die in Norddeutschland und dem Gebiet der heutigen Niederlande von Händlern der Hanse u. a. gesprochen wurden und auf altsächsischen Dialekten basieren.

Mittelniederländisch (MNL)
Bezeichnet die niederdeutschen Varianten, die von Händlern aus dem Gebiet der heutigen Niederlande gesprochen wurden und auf altfränkischen Formen basieren.

Altnordisch (AN)
Dieser Begriff wird hier verwendet, um alt- und mitteldänische/-schwedische Formen, die faktisch ersetzt wurden, zu bezeichnen (wenn nicht anders angegeben), da Beispiele aus dem Altnordischen leichter zu ermitteln und sicherer zu bestimmen sind.

Modernes Niedersächsisch/Modernes Niederdeutsch (Plattdeutsch) (ModNS)
Bezeichnet die heutigen niederdeutschen (plattdeutschen) Dialekte, die aus dem Altsächsischen stammen und in Norddeutschland und den östlichen Niederlanden gesprochen werden.

Modernes Niederländisch (NL)
Bezeichnet die heutigen niederfränkischen Dialekte, die in den Niederlanden, Belgien („Flämisch“) und Frankreich (Westhoekflämisch) sowie in Protektoraten und ehemaligen Kolonien der Niederlande gesprochen werden und aus dem Altniederfränkischen stammen.

Einführung:

Der Einfluss des Niedersächsischen und Niederländischen auf die skandinavischen Sprachen während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war beachtlich. Einige Forscher vergleichen ihn mit dem riesigen Einfluss, den das normannische Französisch sowohl auf lexikalischer als auch struktureller Ebene auf das Altenglische nach der normannischen Eroberung ausübte. In der Tat ist dies die einzige Parallele, die in der gesamten Geschichte der europäischen Sprachen gefunden werden kann! Während des Mittelalters entlehnte das Dänische beispielsweise mehr als 1500 neue Wörter, von denen einige zwar aus dem Lateinischen, die Mehrheit jedoch aus dem Mittelniederdeutschen stammten. (Nicht nur gab es direkte Lehnwörter, sondern auch viele Lehnübersetzungen, bei denen der Körper (die Struktur) einheimisch, die Seele (die Bedeutung) jedoch importiert ist). Die durch das Mittelniederdeutsche ausgelösten Veränderungen der festlandskandinavischen Sprachen waren insbesondere im 14. Jahrhundert, während der Blütezeit der Hanse, ausgeprägt. Der Einfluss des MND hielt bis 1550 (und in einem geringeren Ausmaß darüber hinaus) an. Danach wurde Hochdeutsch die vorherrschende Sprache in Norddeutschland und begann seinerseits, die festlandskandinavischen Sprachen zu beeinflussen. Schätzungen gehen davon aus, dass der gesamtdeutsche, d.h. nieder- und hochdeutsche, Anteil des dänischen Wortschatzes 25 % beträgt. Ähnliche Zahlen gelten vermutlich für Schwedisch und Norwegisch, obwohl Norwegisch wohl die puristischste dieser drei Sprachen ist. Willy Sanders schätzt den Einfluss des MND auf die skandinavischen Sprachen sogar noch höher ein: „…jetzt noch 30 % des Wortschatzes nd. Herkunft sind.” Karl Wührer dagegen schätzt den Gesamtanteil der Entlehnungen aus dem MND in die festlandskandinavischen Sprachen sogar als 55-60 % ein, was aber mit Sicherheit eine Überschätzung ist. Auch sagen diese Zahlen noch nichts über die Häufigkeit solcher Lehnwörter aus. Andere Wissenschaftler sind etwas konservativer in ihren Schätzungen. Die meisten MND Wörter kommen in Zunftgesetzen und juristischen Dokumenten vor – die wenigsten in Sprichwörtern und Volksliedern, d.h. in den Formen, die der gesprochenen Sprache am nächsten kommen. Dessen ungeachtet gehören viele Entlehnungen aus dem MND immer noch zu den gebräuchlichsten Wörtern in den festlandskandinavischen Sprachen, und die Geschichte der skandinavischen Sprachen kann einfach nicht ohne eine detaillierte Betrachtung des MND Elements untersucht werden. Kein Skandinavist kann es sich leisten, diesen Bereich zu vernachlässigen. Torsten Dahlberg drückt dies folgendermaßen aus (S.194):

Fast auf allen Gebieten der Nordistik spürt oder ahnt man direkt oder indirekt das niederdeutsche Substrat. In Skandinavien können wir an dem Niederdeutschen nie vorbeikommen”.

Eine andere Weise, das Ausmaß des MND Einflusses auf die nordischen Sprachen zu erkennen, ist die Betrachtung der Auswirkungen dieses Einflusses auf die Gesellschaft der Sprecher, mit anderen Worten: seine kulturelle Bedeutung. Diese Bedeutung war enorm und nachhaltig und zog die nordischen Länder letztlich in das etablierte europäische Kulturleben mit ein. H. Bach bemerkt zu Dänisch (S.527):

„…eins steht völlig klar: die Einwirkung des mnd. war die wichtigste Voraussetzung für die Einbeziehung des Dänischen in das gesamteuropäische Kulturmuster.”

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen, historischen, juristischen, kulturellen und literarischen Einflüssen des MND auf die nordischen Sprachen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen; allerdings kann der interessierte Leser einen kleinen Vorgeschmack durch die in diesem Artikel vorgestellten MND Entlehnungen aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben bekommen. Es herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass die politischen, soziologischen und linguistischen Bedingungen in Schweden und Dänemark-Norwegen während der Blütezeit des Hanse-Einflusses insgesamt recht ähnlich waren, wodurch der großflächig angelegte Begriff von der MND Sprache und Kultur pauschal möglich ist.

Anfang und Mitte des 12. Jahrhunderts gewann die Hansehandelsstadt Lübeck an der Ostsee mehr und mehr an Bedeutung. Zusammen mit anderen Hansestädten ermöglichte Lübeck der Hanse, den Handel in Skandinavien und dem Baltikum über die nächsten drei Jahrhunderte zu dominieren. Kolonien niederdeutsch sprechender Händler, Handwerker und Beamter siedelten sich zahlreich in vielen größeren nordischen Städten wie Oslo, Bergen, Visby, Stockholm, Malmö, Söderköping, Kalmar und Kopenhagen an. (Visby auf Gotland war das erste Zentrum niederdeutscher Ausbreitung, Teil einer deutschen Osterweiterung und bereits im 12. Jahrhundert eine fast vollständig deutsche Stadt). An dieser Stelle ist es bemerkenswert, dass Sprachkontakt und somit Sprachmischung im Allgemeinen nicht in den nationalsprachlichen Regionen stattfanden, sondern in den handels- und verkehrsreichen Gebieten, d. h. großen Städten.

Viele mittelniederdeutsch sprechende Adelsfamilien aus dem Gebiet des heutigen Norddeutschlands wurden in Dänemark und anderen Orten Skandinaviens sesshaft; sie hatten oft eine herausragende Stellung inne und beeinflussten die Literatursprache aller drei Nationen stark. Aufgrund des Ansehens und der Macht dieser Handwerker, Händler und Höflinge genoss ihr gesprochenes und geschriebenes Mittelniederdeutsch eine besonders angesehene Stellung in der skandinavischen Gesellschaft des Mittelalters. Die höfliche und vornehme Sprache der skandinavischen Höfe (welche Lehnwörter wie riddari, knapi, gígja, hæverskr, lên und hertogi gebrauchten) und der Sprachgebrauch der Händler, Handwerker und Beamten war mehrere Jahrhunderte lang hauptsächlich mittelniederdeutsch, und diese Sprache hinterließ ein beachtliches und nachhaltiges lexikalisches Erbe in den einheimischen Sprachen, bevor es als gesprochene Sprache in Skandinavien ausstarb. Diese MND sprechenden Einwanderer brachten viele Lehnwörter für Berufe, Ämter und Werkzeuge mit, und die Sprache der dänischen Zünfte war somit beispielsweise bis ins 19. Jahrhundert voller deutscher Begriffe. Juristische und amtliche Dokumente der nordischen Handelszentren des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit sind voller mittelniederdeutscher Entlehnungen und Ausdrücke, wenn sie nicht auf niederdeutsch selbst sind. Deutsche in skandinavischen Städten dominierten wegen der besonderen Vorrechte, die ihnen verliehen wurden, und beeinflussten das politische Leben in einem solchen Ausmaß, dass ihre Anwesenheit letztendlich entscheidend bei der Entstehung der pan-nordischen Kalmarer Union 1397 war. Albrecht von Mecklenburg, ein in Deutschland geborener König, bestieg 1364 den schwedischen Thron, und MND erreichte während seiner Regentschaft seinen größten Einfluss. Stockholm wurde gemeinsam von Deutschen und Schweden gegründet. Darüber hinaus war der erste Bürgermeister von Stockholm aus dem Gebiet des heutigen Norddeutschlands, und in den 1350er Jahren wurde (unter anderem) das stadslag von Magnus Eriksson erlassen, um zu verhindern, dass mehr als die Hälfte der Stadtbeamten von „deutscher“ Geburt war! Mit Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert waren zwei der frühesten in Dänemark gedruckten Werke zwei dänische Chroniken namens Rimkrønicken und Den Danske Krønike. Diese waren bereits aus älteren MND Fassungen bekannt. Die Sprache von Lübeck, der Stadt, die das zentrale Drehkreuz der Hanse repräsentierte, fungierte als eine Art normativer Einfluss auf das geschriebene MND, und diese Variante des MND hatte wahrscheinlich besonderen Einfluss auf die skandinavischen Sprachen.

Die meisten aufgenommenen Wörter waren natürlich mit Handel und Verkehr oder dem Adel verknüpft. Vor 1300 schon gab es in Skandinavien die MND Lehnwörter fals, herbergi, skraddari, skúta, treya, danz, par, slekt, spital, æra, akta, prófa, klókr, opinberr, ærligr. 1277 gebrauchte Magnus Lagabøter bereits offiziell die Titel barrún und riddari.

Die hanseatische Dominanz des frühen neuzeitlichen nordeuropäischen Handels war nicht nur auf den Nordatlantik beschränkt, sondern breitete sich auch in den Ostseeraum aus, und zahlreiche Händler und Handelsorganisationen siedelten sich in Polen, Russland, Finnland und dem Baltikum an. Die Sprachen der Region wie etwa Finnisch, Karelisch, Estnisch, Livurnisch und Lettisch empfingen ebenfalls eine Reihe niederdeutscher Entlehnungen als Ergebnis dieses Austauschs. Später, als die nordischen Nationen im baltischen Handel florierten, wurden sogar noch mehr niederdeutsche Entlehnungen in diese Sprachen durch deren skandinavische Nachbarn eingeführt.  

Die Folge der niederdeutschen Dominierung von Handel, Wirtschaft, Handarbeit, Seefahrt, Bergbau und zu einem gewissen Ausmaß auch Verwaltung und Hof in den nordischen Ländern war ein beispielloser Zustrom von Lehnwörtern und produktiven morphologischen Elementen aus den hochangesehenen niederdeutschen Varianten. Erst heute steuert das moderne internationale Englisch eine vergleichbare Anzahl von Lehnwörtern zu den festlandskandinavischen Sprachen bei und übt einen ähnlichen strukturellen Einfluss aus. Die maßgeblichen Bereiche, in denen aus dem Niederdeutschen entlehnt wurde, waren Seefahrt, Fischerei und Nautik, Handel und Wirtschaft, regionale Verwaltung, Hausbau und Haushalt, Handarbeit und religiöse Aktivitäten, aber es wurden auch viele Begriffe in Zusammenhang mit dem Hof und der vornehmen Gesellschaft sowie militärische Begriffe und viele allgemeine und heute alltägliche Verben, Adjektive und Adverbien entlehnt. In einigen Fällen waren die Lehnwörter für die Bezeichnung von Berufen, Gegenständen und Konzepten, für die die Sprecher der skandinavischen Sprachen keine Äquivalente hatten, da sie von Deutschsprechenden eingeführt wurden, unverzichtbar. Buchstäblich Tausende niederdeutsche Entlehnungen und Wörter mit entlehnten MND Elementen traten in die festlandskandinavischen Sprachen ein, und viele einheimische skandinavische Wörter wurden ersetzt. Die skandinavischen Teile der Bevölkerung, die ein geringeres Ansehen hatten und Geschäfte mit den deutschen Einwanderern, den damaligen Machthabern, machen wollten, mussten die Sprache der Ausländer lernen – zumindest genug, um auszukommen. Nordische Händler mischten wahrscheinlich MND Wörter in ihre Sprache, um besser von ihrem hanseatischen Gegenüber verstanden zu werden. Dieser partielle Erwerb der Sprache der Einwanderer ebnete den Weg für Hunderte ihrer alltäglichen Wörter in die skandinavischen Sprachen.  

Während des späten Mittelalters war MND den skandinavischen Sprachen in Bezug auf Syntax, Konjugation und Aussprache näher, als dies der Fall mit dem heutigen Hochdeutsch und den skandinavischen Sprachen ist.  

Um den Zeitraum zwischen 1325 und 1425 war die geschriebene dänische Sprache in Gefahr, von MND als geschriebene Sprache für Briefe und amtliche Urkunden ersetzt zu werden. Adel, Klerus, Kanzleien und Hof waren die hauptsächlichen Benutzer handschriftlicher Kommunikation, und besonders in Dänemark und Südschweden war MND kurz davor, die akzeptierte festgelegte Schriftsprache zu werden. Selbst die interne Korrespondenz der Beamten war teilweise in MND.

MND beeinflusste fast alle Bereiche des festlandskandinavischen Wortschatzes (in Einar Haugens Worten: Eigennamen, Titel [herr, fru und frøken waren zunächst Adelstitel, aber wurden schließlich auch für gewöhnliche Bürger gebraucht], Scheltworte, Geräte und Ausstattung, Waffen, Musikinstrumente, Maße und Gewichte, Handel, höfliches und vornehmes Gebaren, Bergbau, Tiere, Essen, Wetter, Krankheit, Gesetze, Verwaltung und Bildung), aber die untenstehenden Beispiele heutiger Wörter im modernen Dänisch (wenn nicht anders angegeben) zeigen die Hauptbereiche des Einflusses. Die Bereiche mit den meisten Entlehnungen waren Handel und Beruf, Haus und Heim, Essen, Bekleidung, Kriegsführung, Seefahrt, regionale Verwaltung und höfisches Leben. Viele dieser Wörter sind Lehnübersetzungen (d.h. niederdeutsche Elemente werden direkt in ihre skandinavischen etymologischen und semantischen Äquivalente übersetzt, oft unter Gebrauch wortbildender Elemente, die aus dem MND entlehnt wurden). So wird beispielsweise das MND hantwerk zu håndværk „Handwerk”, und unwetenheit wird zu uvidenhed „Unwissenheit”. Viele dieser Entlehnungen sind heute unter den alltäglichsten Wörtern in den festlandskandinavischen Sprachen:

Handel und Berufe: arbejd „Arbeit”, bager „Bäcker“, bytte „Beute”, bødker „Böttcher”, børs „Börse”, bøssemager „Büchsenmacher“, fisker „Fischer“, fragt „Fracht“, garver „Gerber”, gesäll (schwed.) “Geselle”, glasmästre „Glas(meist)er”, handel „Handel”, handle „handeln“, handskemager „Handschuhmacher“, håndværk „Handwerk“, håndværker „Handwerker”, høker „Höker”, isenkræmmer „Eisenkrämer“, klejnsmed „Kleinschmied“ (= „Schlosser“), kræmmer „Krämer”, krögare (schwed.) “Krüger”, kunstner “Künstler”, købe „kaufen“, købmand „Kaufmann“, køgemester „Meisterkoch”, köpenskap (schwed.) “Kaufschaft” (= „Handel“), lærling „Lehrling”, maler „Maler”, murer „Maurer”, pels „Pelz“, portner „Pförtner”, pund „Pfund“, præst „Priester“, regne „rechnen“, regning „Rechnung“, regningskab (heute regnskab) „Rechenschaft“ (= „Buchhaltung“), rente „Rente, Rendite“ (= „regelmäßige Einkünfte“), sadelmager „Sattler“, skomager „Schuhmacher“ (ersetzte suder), skrædder „Schneider“, slagter „Schlachter“ (ersetzte kødmanger), snedker „Schreiner”, told „Zoll”, tømmermand „Zimmermann“, udgift „Ausgabe“, vare „Ware“, værkmester „Werkmeister”, værksted „Werkstatt“, værktøj Werkzeug”.

(Einige Wörter in dieser Kategorie sind verschwunden oder werden nur noch selten angetroffen, weil dieser Handel, Beruf oder diese Beschäftigung veraltet sind, z. B. bægermager „Bechermacher”, fyrbøder „Feuermacher”, hjulmager „Stellmacher”, pottemager „Töpfer”, buntmager „Kürschner, Pelzmacher”, kedelflikker „Kesselflicker”, skoflikker „Schuhflicker”, klokkeguder „Glockengießer”, plåtslagare (schwed.) “Plattenschmied”, slutter “Gefängniswärter”, spillemand „Spielmann”, stratenrøver „Straßenräuber”, væbner “Waffenschmied”).

Werkzeuge und Geräte: bolt „Bolzen”, fork „Forke”, fusthammer „Fausthammer” (= „Hammer für Hufeisen“), høvl „Hobel”, knibtang „Kneifzange”, skrue „Schraube”, fyrtøj „Pulverfass” (heute „Feuerzeug“).

Hof und Adel: eventyr „Abenteuer“, frøken „Fräulein“, fyrste „Fürst“, greve „Graf“, herre „Herr“, hertug „Herzog“ (ersetzte das einheimische jarl), hof „Hof“, hofmester „Hofmeister“, hovmod „Hochmut“, jagt „Jagd”, jomfru „Jungfrau“, junker „Junker“, kejser „Kaiser”, krone „Krone“, ridder „Ritter“, slot „Schloss“, væbner „Knappe, Waffner“, ære „Ehre”, ærlighed „Ehrlichkeit“.

Regierung, Gesetz und Kirche: almisse „Almosen”, bann „Bann”, borger „Bürger“, borgmester „Bürgermeister“, burskap (schwed.) „Bauerschaft” (= schwedischer historischer Ausdruck für besondere Freiheitsrechte eines Bürgers), domherre „Richter“ (heute dommer), embedsmand „Amtsmann“ (vgl. auch das schwedische Lehnwort „Ombudsmann“), forbud „Verbot”, fordel „Vorteil", forhør „Verhör”, fuldmagt „Vollmacht“, kansler „Kanzler”, kætter „Ketzer”, lægmand „Laie”,  magt „Macht, mester „Meister”, nåde „Gnade”, oldermand „Aldermann“ (= „Stadtältester, Senator“), pant „Pfand”, pave „Papst”, pinse „Pfingsten”, påske „Ostern” (altsächs. „Paske“), regere „regieren“, rådhus „Rathaus”, rådmand „Ratsmann“, sprog „Sprache”, straf „Strafe”, told „Zoll“, trykkeri „Druckerei, Gedrucktes, Dokumente”, tugthus „Zuchthaus”, tvist „Twist, Streit”, vægter „Wächter”.

Militär: afdelning „Abteilung”, anfalde „Anfall”, angreb „Angriff”, armborst „Armbrust”, befaling „Befehl”, befalla (schwed.) “befehlen”, bøsse „Büchse”, erobre „erobern“, fane „Fahne“, fejde „Fehde“, flag „Flagge”, fodgænger „Infantrist, Fußgänger“, gevær „Gewähr“, harnesk „Harnisch”, høvedsmand „Hauptmann“, kamp „Kampf“, krig „Krieg“, krudt „Kraut, Schießpulver”, kunskapare (schwed.) „Kundschafter”, magt „Macht”, nederlag „Niederlage“, orlog „Seeschlacht“, plattdeutsch: „Urlog“, overfalde „Überfall”, panser „Panzer“, plyndre „plündern“, rejse „Reise“, im Sinne von: „Feldzug“, trommeslager „Trommelschläger”.

Seefahrt, Fischerei und Nautik*: agter „achter“, bådsmand „Bootsmann“, dok „Dock“, dørk „Deck”, fartøj „Fahrzeug“, fiskeri „Fischerei”, flag „Flagge“, fok „Fock”, fribytter „Freibeuter”, gast „Arbeitskraft”, haj „Hai, kaj „Kai, klyver „Klüver”, kyst „Küste“, lods „Lotse”, malstrøm „Mahlstrom“, mandskab „Mannschaft“, matros „Matrose”, roder (schwed.) „Ruder”,  ræling „Reling”, skipper „Skipper, Schiffer”, stuva „Stauraum”, styrbord „Steuerbord”, styrmand „Steuermann”, sælhund „Seehund”, tackla (schwed.) „Takelage”.

Verwandtschaftsbezeichnungen: fadder „Pate”, formynder „Vormund”, fætter „Vetter”, gemal „Gemahl”, oldefar „Urgroßvater”, oldemor „Urgroßmutter”, pebersvend „Junggeselle” (unverheiratete Händler mussten dem Magistrat in Kopenhagen im späten Mittelalter eine Abgabe in Form von Pfeffer zahlen), slægt „Geschlecht”, svoger „Schwager”, til ægte „zur Ehe versprochen”, ægteskab „Ehe”.

Essen: bakelse (schwed.) „Gebäck”, brændevin „Branntwein”, fennikel „Fenchel”, frokost „Frühstück” (dän.: „Mittagessen“), frugt „Frucht”, gaffel „Gabel”, husgeråd „Hausgerät”, ingefær „Ingwer”, koge „kochen”, koldskål „Kaltschale”, kop „Kelch, Becher”, krus „Krug”, krydderi „Kräuter”, køkken „Küche”, medvurst „Mettwurst”, mynte „Minze”, måltid „Mahlzeit”, mørbrad „Braten”, peber „Pfeffer”, persille „Petersilie”, postej „Pastete”, senap „Senf”, skinke „Schinken”, smag „Geschmack”, smage „schmecken”, spæk „Speck”, suppe „Suppe”, sylte „Sülze”, tallerken „Teller”, tallrik (schwed.) „Teller”, vaffel „Waffel”.

Bekleidung: bukser „Buxe, Hose”, dragt „Tracht, Kleid”, ficka (schwed.) „Tasche”, kappe „Mantel, Umhang”, mössa (schwed.) „Mütze”, rock (schwed.) „Rock, Mantel”, skørt „Schürze, Rock”, strømpe „Strumpf”, støvle „Stiefel”.

Gebäude, Haus und Heim: bädd (schwed.) „Bett”, bænk „Bank”, disk „Tisch”, fönster (schwed.) „Fenster”, gemak „Gemach”, herberg „Herberge”, kammer „Kammer”, kuffert „Koffer”, kælder „Keller”, køkken „Küche”, lampe „Lampe”, mur „Mauer”, skab „Schrank, Fach”, skorsten „Schornstein”, spejl „Spiegel”, sæbe „Seife”, tegl „Ziegel”, trappe „Treppe”, tæppe „Teppich”.

Medizin: brok „Bruch”, feber „Fieber”, gigt „Gicht”, krank „krank”, kramp „Krampf”, pokker „Pocken”, stær „Star”, svulst „Geschwulst”.

Verschiedenes: angst „Angst”, anledning „Anlass”, art „Art”, digt „Gedicht”, fiol „Violine”, fløjte „Flöte”, forhold „Verhältnisse”, frygt „Furcht”, gunst „Gunst”, klokke „Glocke”, kunst „Kunst”, lykke „Glück”, pligt „Pflicht”, rygte „Gerücht”, slange „Schlange”, iver „Eifer”, fare „Gefahr”, herkomst „Herkunft”, äventyr (schwed.) “Abenteuer”, hovmod „Hochmut”, högfärd (schwed.) „Hochfahrt”, bihang (schwed.) „Anhang”, bilaga (schwed.) „Beilage”, uppförande (schwed.) „Aufführen”, taske „Tasche”, lægmand „Laie”, vandel „Moral, gutes Verhalten”, videnskab „Wissenschaft”, vemod „Wehmut”, vilkår „Bedingung”.

Verbreitete und Hilfsverben: anføre „anführen”, anholde „anhalten”, anmelde „anmelden”, anvende „anwenden", arbejde „arbeiten", begribe „begreifen", begynde „beginnen", behøve „bedürfen”, berette „berichten”, beskrive „beschreiben”, bestemme „bestimmen", betale „bezahlen", betyde „bedeuten", blive „bleiben", bringe „bringen", bruge „gebrauchen", digte „dichten", erfare „erfahren", erhålla (schwed.) „erhalten”, fatte „fassen, verstehen", fordærve „verderben”, forekomme „vorkommen", forklare „erklären", foreslå „vorschlagen", forfatte „verfassen”, forlade „verlassen”, formå „vermögen, etwas können”, fornøje „(sich) vergnügen”, forsage „(sich) versagen, aufgeben”, forstå „verstehen", fortjene „verdienen”, forsvinde „verschwinden", fortsætte „fortsetzen”, fortælle „erzählen", frukta (schwed.) „fürchten”, fråga (schwed.) „fragen”, føle „fühlen", förgäta (schwed.) „vergessen”, gælde „gelten”, håbe „hoffen", klage „klagen", koge „kochen", købe „kaufen", kæmpe „kämpfen", lære „lernen", mene „meinen", male „malen", opdage „aufdecken", ordne „ordnen", oversætte „übersetzen", overveje „überlegen", pleje „pflegen (etwas zu tun)", prate „(Unsinn) reden”, prøve „prüfen, versuchen", redde „retten", rejse „reisen", regne „(mit etwas) rechnen", råbe „rufen”, samle „sammeln", ske „geschehen”, skildre „schildern, beschreiben", skrive „schreiben”, slute „schließen, abschließen", smage „schmecken", snakke „sich unterhalten, ‘schnacken’", spille „spielen", stille „stellen", straffe „strafen”, støtte „stützen", tilgive „vergeben”, trække „ziehen, tragen“, tænke „denken”, undersøge „untersuchen", undgå „umgehen, vermeiden", undkomme „entkommen”, undskylde „entschuldigen", vandre „wandern”, vare „währen", øve „üben".

Verbreitete Adjektive: alvorlig „ernst", bange „ängstlich, bange", berømt „berühmt”, billig „billig", bra (schwed./norw.) / brav (dän.) „brav, gut”, dejlig „wohlig, schön, delikat", dygtig „tüchtig, fähig", egentlig „eigentlich", elendig „elend”, endelig „endlich", enig „einig”, enkel „einzig", evig „ewig”, falsk „falsch", fin „fein”, flink „flink, schlau", fri „frei", frisk „frisch", fremmed „fremd", from „fromm", færdig „fertig", forsigtig „vorsichtig", gemen „allgemein", grov „grob”, hemmelig „heimlich, geheim", hændig „handlich, praktisch", herlig „herrlich", høvisk „höfisch", høflig „höflich", klar „klar, bereit”, klejn „klein”,  klog „klug", kort „kurz", krank „krank", læsbar „lesbar”, middelmådig „mittelmäßig", mulig „möglich", rar „rar, wertvoll, nett, freundlich", rask „rasch", rund „rund”, skøn „schön", smal „schmal”, smuk „schmuck, schön”, stille „still”, stolt „stolz", svag „schwach", tapper „tapfer", tilfreds „zufrieden", underdanig „untertänig”, ædel „edel”, ægte „echt", ærlig „ehrlich”, åbenbar „offenbar, öffentlich".

Verbreitete Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen: alene „allein”, allerede „schon, bereits”, blott (schwed.) „nur, bloß”, bra (schwed./norw.) „gut, tüchtig” / bravt (dän.) „gut, tapfer”, dog „doch, trotzdem", emellertid „indessen" (schwed.), forbi „vorbei", ganske „ganz, ziemlich", jo „ja", likväl (schwed.), likevel (norw.) „gleichwohl", men „aber", måske „vielleicht” (dän.), nemlig „nämlich", overalt „überall", redan "already" (schwed.), samt „samt, mit", sikker „sicher", straks „sofort, schnurstracks", sådan „so, solch", temmelig „ziemlich", tilsammen „zusammen", trods „trotz", ur „aus" (schwed.), vældig „gewaltig", øvrig „übrig".

(*Hinweis: Es existieren viele spezifische Entlehnungen im Bereich Seefahrt und für verschiedene Arten von Fischen, welche nicht in den untenstehenden Listen aufgeführt sind.)

Vibeke Winge weist darauf hin, dass dänische Wörter für Kunsthandwerk, Güter und Werkzeuge interessanterweise im Großen und Ganzen aus dem MND stammen.

Ungefähr 300 Jahre lang (ca. 1250-1550) war Mittelniederdeutsch die Sprache, die gesellschaftliches Ansehen hatte und gleichzeitig den einheimischen Sprachen nahe war, so dass die Sprecher skandinavischer Sprachen ihre Sprachen durch MND erweiterten – weniger aus Notwendigkeit als vielmehr, weil es Mode war (in einigen Fällen hatten sie jedoch keine äquivalenten Bezeichnungen in ihren eigenen Sprachen). Deutsche bildeten die intellektuell und wirtschaftlich prägende Schicht und machten MND zur „feinen Sprache”; einer, die nachgeahmt werden sollte. Der skandinavische Bürger strebte danach, die „Feinheit” der deutschen Oberschicht in seinem Auftreten und seiner Sprache  anzunehmen. „Niederdeutsch wurde Modesache”, wie Dahlberg es formuliert. Dieser Faktor erleichterte zweifelsfrei den Übergang von Wörtern aus dem MND in die festlandskandinavischen Sprachen erheblich. Die nichtgeistliche Oberschicht und die Mittelschicht gebrauchten MND als ihre bevorzugte Zweitsprache, da königliche Familie, Adel, Kaufleute und Handwerker entweder Deutsche waren oder enge Verbindungen mit Deutschsprachigen hatten. Otto Höfler ist der Meinung, dass dieser Sprachkontakt sich auf hoher Ebene fortsetzte, da das Geschlecht von MND Wörtern in vielen Fällen mit ihrer Entlehnung bis ins Mittelskandinavische erhalten blieb. Obwohl die Männer der Hanse pragmatische Menschen waren – Kaufleute, Verwalter, Gesetzgeber, Schiffbauer, Seemänner – waren sie zweifelsohne nicht nur materiell besser gestellt als die Einheimischen, sondern auch auf intellektueller Ebene eine höhere Kultur als die einheimische.

Im Verlauf dieser Entlehnungsprozesse erhielten viele skandinavische arveord („Erbwörter“; Wörter aus der gemeinsamen nordischen Sprachfamilie), wie sie im heutigen Isländisch meist immer noch vorhanden sind, direkte Konkurrenz. Entlehnungen aus dem MND (lånord in der untenstehenden Tabelle) bereicherten den Wortschatz der festlandskandinavischen Sprachen deutlich, und Beispiele dafür sind Wortpaare in den heutigen Sprachen von sowohl einheimischer als auch entlehnter Abstammung, die mehr oder weniger synonym (und daher Konkurrenten) sind, zum Beispiel (norwegisches Bokmål, wenn nicht anders angegeben):

 

Arveord

Lånord

AN (aschwed.)

Bedeutung

ale opp

opdra

ala upp

aufziehen, großziehen

allesteds

overalt

allsstaðr

überall

andlet; anlete (schwed.)

ansikt

andliti; andlite

Antlitz, Gesicht

bardage (arch.)

kamp

bardagi

Kampf

berg

klippe

bjarg

Berg, Klippe, Fels

besk

bitter

 

bitter

bjuda (schwed.)

befalla

biuþa

bieten

borg

slot

borg

Burg, Schloss

borge

betala (schwed.)

borga, greiða

zahlen, abzahlen

bot

vederlag

bót

Bußgeld, Entschädigung

bratt

steil; plutselig

brattr

steil

brygge

kai

bryggja

Anlegebrücke, Kai

budskap

beskjed

boðskapr

Botschaft, Bescheid

bølgje; bölja (schwed.)

våg (arch., dial.); våg

bylgja; (aschwed.) bylghi

Welle, Woge

börja (schwed.); byrje (Nyn.)

begynna; begynne

(aschwed.) byria, børia; (AN) byrja

beginnen

djerv

dristig

djarfr

dreist, kühn

dugelig

flink

duglegr

fähig, geschickt

dyrd (schwed., arch.)

ära

(aschwed.) dyrth

Ehre

eie

besitte

eiga

besitzen

ende

slutt

endi

Schluss, Ende

ende

slutte

enda

schließen, enden

fager

skjønn, smukk

fagr

anmutig, schön

fattigdom

armod

fátækr-

Armut

ferd

reise

ferð

Fahrt, Reise

frende (arch.)

slektning

frændi

Verwandter

gagn

fordel

gagn

Vorteil

gave

skjenk

gjöf

Gabe, Geschenk

genast (schwed.)

strax

(aschwed.) genast

sofort

glad

fro

glaðr

froh, fröhlich

gjemme

bevare

gøyma

aufbewahren

glömma (schwed.)

förgäta

(aschwed.) gløma

vergessen

grein

fag

grein

Fachrichtung, Zweig

grein

regnskab

grein

Rechenschaft, Rechnungslegung

gripe

fange

grípa

greifen, fangen

gälda (schwed.)

betala

(aschwed.) giælda

bezahlen

heder

ære

heiðr

Ehre

hænde (dän.), hende (norw.)

ske

henda

geschehen

hest

hingst

hestr

Pferd, Hengst

hird

hof

hirð

Hof, Gefolge

hjelpe

støtte

hjálpa

helfen, unterstützen

hjälpa (schwed.)

bistå

(aschwed.) hiælpa

helfen, beistehen

hug

sinn

hugr

Gesinnung

huske

erinde

hugsa

erinnern

ild

fyr

eldr

Feuer

jorde

begrave

jarða

begraben

kjenne

føle

kenna

fühlen

kjensle

følelse

kensl

Gefühl

kjære

klage

kæra

klagen

kledning

drakt

klæðnaðr

Kleidung

kvede

dikt

kvæði

Gedicht

kvide

angst

kviði

Angst, Furcht, Schmerz

leik

spill

leikr

Spiel

leike

spille

leika

spielen

lott

del

hlutr

Teil, Anteil

love

berømme

lofa

loben

lønnlig

hemmelig

leyniligr

heimlich

lød

farge

litr

Farbe

makt

vald

máttr, veldi

Macht

meget

veldig

mjök

viel, sehr

miskunnelig

barmhjertig

miskunnsamr

barmherzig, gnädig

mista, tapa (schwed.)

förlora

(aschwed.) mista; tapa, tappa

verlieren

morgenmat

frokost

morgunmatr

Frühstück, Morgenmahl

mål; tungomål (schwed.)

språk

mál

Sprache

möta (schwed.)

drabba

(aschwed.) møta

treffen

nytte

anvende, bruke

nýta

nutzen, anwenden, brauchen

nåde

gunst

náðr

Gunst, Gnade

ran

rov

rán

Raub

rane

røve, plyndre

ræna

rauben, plündern

redd

bange

hræddr

ängstlich

reddes

frykte

hræðast

(be)fürchten

redsel

frykt

hræðsla

Furcht

rolig

stille

rólegr

still, ruhig

rope

skrike

hrópa

rufen, schreien

røyne (Nyn.)

erfare

reyna

erfahren

røyne (Nyn.)

forsøke, prøve

reyna

versuchen, prüfen

røynsle

erfarenhet

reynd

Erfahrung

sann

ekte

sannr

wahr

sanne

prøve

sanna

prüfen, verifizieren, die Wahrheit erkennen

sende

skikke

senda

senden, schicken

si fra

berette

segja frá

berichten

si fra

fortelle

segja frá

erzählen

si til

underrette

segja til

unterrichten, benachrichtigen, verständigen

skifte

dele

skipta

teilen

skire

døpe

skíra

taufen

skjønne

begripe, forstå

skynja

begreifen, verstehen

skydevåben (dän.)

bøsse, gevær

(AN) skotvopn

Schusswaffe, Büchse, Gewehr

skytevåpen

gevær

skotvopn

Schusswaffe, Gewehr

skär (schwed.)

klar

?

klar, rein

sorg (schwed.)

bekymmer

(aschwed.) sorgh

Sorge, Kummer

spörja (schwed.)

fråga

(aschwed.) spyria

fragen

sted

plass

staðr

Platz, Ort

strand

kyst

strönd

Strand, Küste

strid

krig

stríð

Krieg, Streit

styrka (schwed.)

bevisa

(aschwed.) styrkia

beweisen

støe

støtte

stoða

stützen

sveinn

knape

sveinn

Knappe, junger Mann

svik

fals

svik

falsch, betrügerisch

svikte

bedra

svíkja

betrügen

syde

koke

sjóða

kochen

syssel

len

sýsla

Grafschaft, Bezirk

sømd

æra

?

Ehre

säng (schwed.)

bädd

(aschwed.) sæng, siang

Bett

tala (schwed.)

prata

tala

reden, sprechen

tale

snakke

tala

(miteinander) reden, sprechen

telle

rekne

telja

rechnen

dra(ge)

trekke

draga

ziehen, tragen

turve (Nyn.); tarva (schwed.)

behøve; behöva

þarfa; (aschwed.) þarva

brauchen, müssen

trygge

borge

tryggja

bürgen, garantieren

useier

nederlag

ósigur

Niederlage

vedgå

erkjenne (HD Lehnwort)

viðganga < ganga við

(an)erkennen

veide

jage

veiða

jagen

veik

svak

veikr

schwach

velde

makt

veldi

Macht

verk

smerte

verkr

Schmerz

vindöga (arch., dial.); vindue (dän.)

fönster

vindauga

Fenster

vettug

klok

vitr

klug, weise

vorde

bli

verða

werden

vrang

falsk

rangr

falsch

vård (schwed.)

vakt

(aschwed.) varþer

Wacht

ætt

herkomst

ætterni

Herkunft, Geschlecht

ætt

slekt

ætt

Geschlecht, Familie

 

 

 

 

 

In einigen Fällen erhielt das einheimische skandinavische Wort eine andere oder engere Bedeutung, so etwa im Fall von syde sieden", welches ursprünglich auch „kochen“ meinte, was aber von dem MND Lehnwort koke übernommen wurde. Das dänische Wort lød, ursprünglich ein allgemeiner Begriff mit der Bedeutung Farbe” bezeichnet nun das engere „Farbton, Schattierung, Nuance“ und wurde weitgehend durch das Lehnwort farve „Farbe" ersetzt (im Norwegischen bedeutet lød immer noch „Farbe", neben dem üblicheren farge). In anderen Fällen überlebte das einheimische Wort, wurde aber marginalisiert oder weniger gebraucht als das Lehnwort, im Norwegischen etwa im Fall des entlehnten trekke und des einheimischen dra (im Dänischen wurde drage in fast allen Fällen durch trække ersetzt). Das einheimische skandinavische Wort mål, welches ursprünglich „Sprache” (vgl. AN mál) bedeutete, bezeichnet heute weitgehend das engere „Dialekt” (vgl. aber schwedisch tungomål „Sprache” aus altschwed. tungo mal). Auch das einheimische schwedische Wort arvode (aus altschwed. arvoþe) hat sich in seiner Bedeutung von „Arbeit“ zu „Entgelt, Honorar“ verringert, vermutlich unter dem Einfluss des aus dem MND stammenden arbete. Einige weitere Beispiele aus dem Dänischen illustrieren die schwächere Position einiger einheimischer Wörter gegenüber den importierten (nahezu) synonymen Wörtern aus dem MND: Das dänische fager (vgl. Englisch „fair”) gilt nun als poetisch und archaisch und ist durch das bevorzugte und synonyme Lehnwort aus dem MND smuk ersetzt worden (fager ist auch im Norwegischen poetisch); ræd wird zwar immer noch verwendet, aber das Lehnwort bange aus dem MND ist definitiv gebräuchlicher (im Norwegischen gilt jedoch das Gegenteil); brat („steil, plötzlich“) wird ebenfalls verwendet, aber beide Bedeutungen des Wortes werden von den gebräuchlicheren MND Lehnwörtern stejl für „steil“ und pludselig für „plötzlich" abgedeckt. Leika „spielen” wurde durch spille (< MND spelen) ersetzt, wenn es um das Spielen von Musik oder Theater geht.

Meistens aber verschwand das altnordische Wort einfach aus dem Sprachgebrauch des Festlandskandinavischen, und Lehnwörter aus dem MND (von denen einige als nicht notwendig angesehen werden können) ersetzten diese. Dahlberg bemerkt in diesem Zusammenhang zutreffend:

Auf diese Weise sind leider viele einheimische, gut brauchbare Wörter verlorengegangen.” (S.196)

In den Festlandsprachen wurde das einheimische vorde (altdänisch warthæ, altschwedisch varþa, vgl. AN verða, Deutsch werden) von der aus dem MND stammenden Form bli(ve)/bliva verdrängt (wobei vorde in poetischem und biblischem Sprachgebrauch überlebt hat). Im Dänischen verdrängten die entlehnten Formen arbejde „arbeiten" und men „aber" das altdänische ærvæthæ „arbeiten" (vgl. AN erfiði) und æn „und, aber" (vgl. AN en) sowie den Gebrauch von uden/utan „außer”. Das ältere dänische Wort børje (vgl. schwedisch börja (welches in dieser Sprache immer noch die bevorzugte Wahl ist), Nynorsk byrje) verlor nach und nach den Kampf gegen das entlehnte begynde, während dem älteren anlæte „Antlitz, Gesicht” gegen ansigt das gleiche Schicksal widerfuhr (anlete existiert im Schwedischen neben ansikte jedoch immer noch). Gleichermaßen wurde øbe/öpa „schreien, rufen" durch råbe/ropa (ein nordisches Wort, dessen Bedeutung durch das verwandte MND Wort ropen beeinflusst wurde) und den MND Import skrige ersetzt; das ältere røne „versuchen” fiel prøve zum Opfer (vgl. aber norwegisch røyne), und genest wurde zu dem MND Import straks (genast exisitiert im Schwedischen jedoch immer noch neben strax). Das ältere schwedische Wort wurde zu måste, das skandinavische ván „Hoffnung” wurde durch das MND hope (dänisch håb, schwedisch hopp) ersetzt, genau wie vónast durch hopast, frjáls durch fri, everðeligr durch evig und samþykkiliga durch endrægteliga, während verbreitete Bewegungsverben wie ganga und standa den Kampf gegen die MND Formen gân und stân verloren, woraus die heutigen Formen und stå entstanden. Außerdem fiel þarf dem Wort behóf „Bedarf” anheim, gøyma und varðveita wurden zu bevara „(auf)bewahren”, sanna und prófa zu bevisa „beweisen”, skipta zu býta „tauschen, ändern”, lutr zu deil „Teil”, vitr zu klókr „klug, weise”, giäf (altschwed.) zu gava, máttr und veldi zu makt „Macht”, háttr zu máti „Brauchtum, Sitte”, hyggja und ætla zu meina „meinen, beabsichtigen”, ætla zu akta (MND achten), kenna „lehren” und nema „lernen” zu læra „lernen; lehren” (MND lêren); kenna verlor (in Dänemark) seine Bedeutung „fühlen” an følæ (MND vôlen), løyfi wurde zu orlof „Urlaub”, stríð zu krig „Krieg, Streit”, ætt zu slekt „Geschlecht, Abstammung, Familie”, hyggia, ætla und hugsa zu þenkia „denken”. Im Dänischen können darüber hinaus die Verdrängung von neita durch das aus dem MND stammende nægte, nytja durch bruge, rædd durch bange und reyna (altdän. rønæ) durch forsøge bemerkt werden. Gesellschaftliche Veränderungen führten dazu, dass Wörter wie bygd, træl, kone und rise im Dänischen überholt wurden; allerdings sind sie im modernen Sprachgebrauch teilweise dank des norwegischen Einflusses wiederbelebt worden. Peter Skautrup merkt einige andere Beispiele von Wörtern an, die im Dänischen in der frühen Neuzeit (1350-1500) verloren gegangen sind: bukser „Hose” ersetzte brog, dog „doch, jedoch” ersetzte tho, straks „sofort” ersetzte thegær und sådan „so, solch” ersetzte slig.

 

Gibt es noch die Wahl zwischen zwei Formen, wird dem niederdeutschen Lehnwort normalerweise der Vorzug gegeben. Einige ansonsten obsolete nordische Formen haben jedoch überlebt und werden bevorzugt im norwegischen Nynorsk verwendet. Hierzu gibt es zu viele Beispiele, um sie alle an dieser Stelle darzustellen.  

Nach dem MND Vorbild wurde im Schwedisch des späten Mittelalters der k-Laut in der geschriebenen Sprache als ch wiedergegeben, was noch an och „und”, vgl. dänisch og, gesehen werden kann. Im Dänischen des gleichen Zeitraums wurde [sk] sch- geschrieben, z. B. Schanning Skåne”.

In einigen Fällen wurden Wörter auf unterschiedliche Art entlehnt oder verliehen ihren jeweiligen Aufnahmesprachen unterschiedliche Impulse. So entlehnte das Dänische beispielsweise das MND merschûm „Meerschaum” als merskum, während Schwedisch es als sjöskum lehn-übersetzte. Gleichermaßen entlehnte Dänisch das MND schadenfroh (vgl. Deutsch) als skadefro, während Schwedisch es als skadeglad lehn-übersetzte. In anderen Fällen entlehnte eine Sprache ein Wort, welches niemals in eine andere Sprache aufgenommen wurde. Das klassische Beispiel ist das schwedische Wort fönster „Fenster”, während im Dänischen das nordische Wort vindue verwendet wird.  Andere bekannte Beispiele sind das schwedische Wort bädd gegenüber dem dänischen seng, das schwedische börja gegenüber dem dänischen begynde, das schwedische fråga gegenüber dem dänischen spørge, das schwedische förgäta gegenüber dem dänischen glemme, das schwedische ficka gegenüber dem dänischen lomme, das dänische føle gegenüber dem schwedischen känna, das schwedische hustru gegenüber dem dänischen kone, das schwedische rita gegenüber dem dänischen tegne, das schwedische skicka gegenüber dem dänischen sende, und das schwedische äta gegenüber dem dänischen spise. Weitere Beispiele finden sich in der untenstehenden Tabelle:

 

aus dem MND stammendes Wort

einheimisches nordisches Äquivalent

Bedeutung

Schwedisch

Dänisch

 

anspråk

krav, fordring

Forderung

belåten

mæt

satt

bittida

tidlig

zeitig

bädd

seng

Bett

drabba

træffe

(be)treffen, widerfahren

ficka

lomme

Tasche

flod

elv

Fluss

fort

rask, hurtigt

schnell

fråga

spørge

fragen

fönster

vindue

Fenster

förgäta

glemme

vergessen

förlora

miste, tabe

verlieren

förlust

tab

Verlust

förstöra

ødelægge

verwüsten

hustru

kone

Ehefrau

hyra

leje

leihen, mieten

inrymma

inholde

beinhalten

lärjunge

lærling

Lehrling

ort

sted

Platz, Ort

rita

tegne

zeichnen

skicka

sende

senden, schicken

stad

by

Stadt

tillhopa

helt, helt og aldeles

(ins)gesamt

umbära

undvære

entbehren, auf etwas verzichten

upprepa

gentage

wiederholen

uppsåt

forsæt (auch aus dem MND)

Absicht

även

også, ligeledes

auch

***

***

***

Dänisch

Schwedisch

 

altid

jämt

immer

bange

rädd

ängstlich

begynde

börje

beginnen

forfærdelig

hemsk

schrecklich

forkert

orätt, vrång

falsch, verkehrt

forlade

lämna

verlassen

fornøden

---

nötig

forskel

skillnad

Unterschied

føle

känna

fühlen, kennen, empfinden

hvordan

hur

wie

kundskab

kännedom

Kenntnis, Wissen

men

utan

aber

måske

kanske, kanhända (ske und hända stammen auch aus dem MND)

vielleicht

nøle

tveka

zögern

omtrent

omkring

etwa, herum

rejse (køre „Auto fahren“ ist jedoch nordisch)

åka

reisen, fahren

slem

elak

schlimm, böse

smuk

fager, vacker

anmutig, schön

spise

äta

essen, speisen

straks

genast

sofort

sådan

dylik

so, solch, so ähnlich

tænke

tycka

denken

undertiden

ibland, stundom

manchmal

undervejs

---

unterwegs

undskylde

ursäkta

entschuldigen

årsag

skäl (orsak existiert auch im Schwedischen)

Ursache

 

Der durchschnittliche Sprecher in Bergen, Oslo, Kopenhagen oder Stockholm konnte nicht anders, als genug mittelniederdeutsch zu lernen und seine eigene gesprochene und geschriebene Sprache mit MND Elementen anzureichern. Die deutschen Siedler genossen den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteil, und es war für die Einheimischen selbstverständlich, eine Art Mischsprache zu gebrauchen. Die norddeutschen Siedler siedelten sich nicht nur in den wirtschaftlichen Zentren, sondern in allen norwegischen Städten an, und ihr höherer gesellschaftlicher Status bedeutete, dass sie nicht die komplexe nordische Sprache lernen mussten.  

Diese Ansiedlung führte zu einer starken Erweiterung des Vokabulars für alltägliche Dinge und abstraktere Begriffe, und die sich entwickelnden städtischen Dialekte waren stark von niederdeutschen Entlehnungen geprägt. Der Einfluss des Mittelniederdeutschen auf die spätere Entwicklung der skandinavischen Sprachen wird treffend von dem norwegischen Nordisten Didrik Arup Seip in dem folgenden Kommentar beschrieben:

"Two Norwegians cannot in our day carry on a conversation of 2-3 minutes without using Low German loanwords...of course without knowing that they are doing so."

Diese Bemerkung trifft in gleichem Maße auf Schwedisch und vielleicht sogar noch starker auf Dänisch zu.

Wie zu erwarten, kann davon ausgegangen werden, dass Dänemark aufgrund der geographischen Nähe und engeren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen die meisten dieser Begriffe zuerst entlehnt hat. Jedenfalls ist es sehr unwahrscheinlich, dass es viele Begriffe später als Schweden erhalten hat. Wahrscheinlich wurden nicht wenige dieser entlehnten Begriffe eher vom Dänischen ins Schwedische und Norwegische übertragen, als dass MND selbst die Gebersprache war. Es gibt allerdings nur wenige Fälle, für die durch sprachwissenschaftliche Methoden nachgewiesen werden kann, dass MND Wörter über das Dänische ins Schwedische kamen. Der typischste Danizismus in der Phonologie – die Abschwächung der Plosive k, p und t am Wortanfang – hat im Schwedischen nur geringe Spuren hinterlassen (man schließt daraus, dass die Übertragung ins Schwedische überwältigend direkt war). Sowohl Schwedisch als auch Dänisch öffneten im Norwegischen die Tür für MND Wörter, und diese Sprachen hatten bereits viele Wörter, vor allem in der Schriftsprache, entlehnt. Da alle drei festlandskandinavischen Sprachen überwiegend die gleichen MND Wörter und wortbildenden Elemente aufnahmen, rückten diese drei Sprachen in vieler Hinsicht näher zusammen.

Laut einiger schwedischer Sprachwissenschaftler stammen bis zu 75 % des heutigen schwedischen Wortschatzes aus dem MND oder von durch MND vermittelten Wörtern ab. (Diese Zahl ist jedoch absurd – der eigentliche Anteil dürfte weit niedriger, wahrscheinlich 25-30 % sein). Die meisten dieser Wörter kamen zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert in den altschwedischen Wortschatz. Es ist in der Tat schwierig, zu einer verlässlichen Zahl zu gelangen, aber zweifelsohne gehören Entlehnungen aus dem MND, durch MND Entlehnungen inspirierte Wörter oder aus ursprünglich MND Elementen gebildete Wörter heute zu den üblichsten Wörtern dieser Sprache.

In vielen Fällen bezeichneten die Entlehnungen neue Konzepte, etwa borgmeistari und radman – diese Einrichtungen hatte es in Skandinavien zuvor nicht gegeben. Neue Berufe oder Ämter wurden importiert, welche den Namen des Besitzers oder des Handelnden trugen, z. B. skómakari, bartskærer, bøssemager, maler, pladeslager, mægler, portner, tolk. Sogar das Wort handel selbst ist MND Ursprungs. Darüber hinaus brachten die niederdeutschen Seeleute und Händler in Zusammenhang mit ihren bemerkenswerten Fähigkeiten in der Seefahrt Lehnwörter wie galei, jakt, kogge, mers und mast.

Einige MND Wörter wurden auch eingeführt, um negative oder zerstörerische Elemente der Gesellschaft zu bezeichnen, z. B. skalkar „Gauner, Schurke, Lump”, rövare „Räuber, Dieb” und bödel „Henker”.

Zur Bezeichnung von Tieren gab es ebenso neue Wörter, wie etwa bæver „Bieber“, falk „Falke”, flädermus (schwed.) „Fledermaus”, hingst „Hengst”, kamel, lærke „Lerche”, løve „Löwe”, näktergal (schwed.) „Nachtigall”, panter, rotte „Ratte”, sköldpadda „Schildkröte”, vagtel „Wachtel”. Diese Wörter machten die einheimischen Bezeichnungen – falls vorhanden – obsolet.

Schwedisch führte die meisten Entlehnungen nach 1350 ein, wie etwa die alltäglichen Begriffe bädd, frukost, rock, språk, släkt, fri, from, klar, klen, smal, arbeta, bliva, bruka, lära, smaka, sådan. Andere Entlehnungen aus dem MND sind falskhet (valschheit), frihet (vrîheit) und ärlighet (êrlikheit). An Beispielen für Wörter, die auf dänischem oder schwedischem Boden entstanden, aber mit MND Elementen gebildet wurden, können Wörter wie benægte, begagna, benägen, forfremme, forsinke, förbrylla, undeselig und undvære (ins Schwedische als umbära entlehnt) genannt werden.

Viele verbreitete Alltagswörter, die heute den Grundwortschatz eines Sprechers der modernen skandinavischen Sprachen ausmachen, wurden während der Herrschaft der Hanse eingeführt, als MND die Sprache von gesellschaftlichem Ansehen und Prestige war, etwa Substantive wie arbete „Arbeit” bevis „Beweis”, bukse „Hose”, fel „Fehler” förstånd „Verstand”, kopp „Tasse, Becher”, papir „Papier”, skrin „Schrein, Schachtel”, støvler „Stiefel”, tröja „Sweater, Pullover”, tvivel „Zweifel”, vilkor „Bedingung”; Verben wie bevisa „beweisen”, forklare „erklären”, forlike „versöhnen”, mene „meinen”, prøve „prüfen” und skaffe „beschaffen”; Adjektive wie falsk „falsch”, fin „fein”, främmande „fremd”, färdig „fertig”, klok „klug”, möjlig „möglich” svag „schwach”; Adverbien wie altid „allzeit, immer”, bittida „beizeiten, zeitig”, blott „nur, bloß”, ganske „ganz, ziemlich”, straks „sofort” und även „auch”; und Konjunktionen wie jo „doch” und men „aber”. Einige übliche Ausdrücke, die aus dem MND in die festlandskandinavischen Sprachen kamen, sind die folgenden: dit og dat „dies und das” (dit un dat), få i sigte „sichten” (sichte), göra klart „fertig machen, vorbereiten”, klappet og klart „fix und fertig” (klapp un klar), med rätta „mit Recht” und till godo „zu Gute”, til rette „zurecht” (to rechte). Es ist ebenfalls bemerkenswert, dass der Plural des schwedischen Worts stad „Stadt” städer ist, was aus dem Einfluss des MND herrührt (auf altschwedisch wäre es stathir).

Eine Worthäufigkeitsstudie der 6.000 gebräuchlichsten schwedischen Wörter von Martin Gellerstam zeigt, das 24,1 % dieser Wörter aus dem Deutschen abstammen, und für 30,3 % der Wörter Deutsch das Entlehnungsmittel darstellt. Trotzdem erscheinen dem heutigen Sprecher einer skandinavischen Sprache das hoch- und niederdeutsche Element in seiner Sprache, als ob es von den Ursprüngen der Sprache an dagewesen sei. Gellerstam bemerkt:

Vem tycker idag att de lågtyska lånen språk, arbete, lära, fråga är något annat än gamla hederliga svenska ord?”.

Dierecks und Braunmüller argumentieren mit einem Zitat von Moberg, wie einfach es für Wörter aus dem MND war, in das Schwedische zu gelangen und schnell angenommen zu werden:

Die Anpassung der mittelniederdeutschen Lehnwörter an das altschwedische Flexionssystem konnte im allgemeinen ohne größere Schwierigkeiten geschehen. Aufgrund der ähnlichen Struktur und oft verwandten Wortbildungsmuster konnten viele Substantive, Adjektive und Verben relativ einfach an entsprechende einheimische Wortgruppen anschließen.” (S.23)

 

Ein anderer beachtenswerter Punkt ist, wie die gemeinsamen Entlehnungen in die nordischen Sprachen dazu führte, dass alle drei Sprachen sich einander im Hinblick auf den Wortschatz annäherten, was zweifelsohne die Kommunikation zwischen den Sprechern verschiedener skandinavischer Sprachen erleichterte und dies auch heute immer noch tut.  

 

Erst zum Ende des Mittelalters nahmen die modernen skandinavischen Sprachen Form an, und genau während und bis zum Ende der Periode des MND Einflusses entstanden die modernen skandinavischen Sprachen, wie wir sie heute kennen. MND hatte viel mit der Modernisierung der skandinavischen Sprachen und ihrer heutigen Form zu tun. Marquardsen sagt über das Dänische:

Diese moderne Form, die sich während der zweiten Hälfte des 14. und im 15. Jahrhundert herausbildete, weicht so wesentlich von der Sprache der vorhergehenden Periode ab, dass innerhalb des Zeitraums von 1350-1500 eine durchgreifende Veränderung der Dänischen Sprache zu konstatieren ist.” (S. 405-406).

 

Entlehnte Affixe

Aus dem Deutschen stammende Präfixe und Suffixe spielen eine bedeutende Rolle in den heutigen skandinavischen Sprachen.

Sprecher der skandinavischen Sprachen waren geschickt darin, mittelniederdeutsche Formen in ihre eigenen Phonologie- und Flexionssysteme zu integrieren, und viele aus dem Mittelniederdeutschen entlehnte Affixe wurden später auf skandinavischem Boden wortbildend für einheimische skandinavische Wörter. Mittelniedersächsisch und Mittelniederländisch hatten somit Einfluss auf morphologischer wie lexikalischer Ebene. In der Tat betont die Entlehnung und der produktive Gebrauch dieser wortbildenden Elemente, welchen außerordentlichen Einfluss MND auf die festlandskandinavischen Sprachen ausübte (es muss jedoch gesagt werden, dass die Sprache bereits vor dem Kontakt mit MND im Prozess der Simplifizierung begriffen war – dieser Sprachkontakt beschleunigte und intensivierte jedoch diesen Wandel). Die einheimischen abstrakten Suffixe
-dom, -inge und –skap, die Nord- und Westgermanisch gemeinsam hatten, wurden wiederbelebt, und der Wortschatz durch zahlreiche auf -schap, -inge, -en(t) und -nisse endende Entlehnungen aus dem MND bereichert. Diese Suffixe fungierten wiederum als wortbildende Elemente in den Aufnahmesprachen (wobei -nisse im Skandinavischen zu -else wurde), z. B. broderskap, betalning, bedrövelse. Darüber hinaus waren die im 14. Jahrhundert auftretenden Elemente -hed/-het, -inde/-inne und -ske/-ska besser zur Bildung neuer Wörter geeignet als die einheimischen Affixe, von denen einige durch Synkope und die Reduktion unbetonter Silben geschwächt wurden, was bedeutete, dass es unter den einheimischen skandinavischen Elementen weniger wortbildende Optionen gab. Die eingeführten Elemente erfüllten damit einen Bedarf. Das Suffix -hed wird im Dänischen im 15. Jahrhundert zu einem weitverbreiteten Suffix. Das einheimische verstärkende Präfix for-/för- wurde durch das MND vor- (und später durch Hochdeutsch) wiederbelebt – es gibt Heerscharen neuer, aus einheimischen skandinavischen Quellen mit diesem Präfix geprägter Wörter, etwa forarbejde „verarbeiten”, forbedret „verbessert”, fortabe „verlieren”, forskyde „verschieben, versetzen”, forøde „veröden”, forglemme „vergessen” (adän. forglømæ basiert auf MND vorgeten), forbryde „verbrechen” (adän. forbrytæ basiert auf MND vorbrêken). MND -
ent wird im Schwedischen immer noch produktiv gebraucht und bildet Substantive, die auf -ende und –ande enden, z. B. letande „Suche”, vetande „Wissen”. Die Adjektivsuffixe -agtig/-aktig (gleichbedeutend mit HD -haftig), -bar, -dan, -vortes/-vörtes wurden nach 1400 entlehnt. Das einheimische Suffix -sk wurde nach MND Vorbild zu –isk, während -ugh sich in -ig (siehe unten) änderte.

Kurt Braunmüller bemerkt, dass die Entlehnung wortbildender Elemente aus dem MND die Natur der skandinavischen Sprachen änderte, sie in ihrem Charakter weniger nordisch machte und näher an das Westgermanische brachte:

Ein Ergebnis dieses intensiven Sprachkontakts war – wie gezeigt – z.B. die typologische Annäherung des Skandinavischen an das Mnd./Westgermanische auf den Gebieten der Morphologie und besonders der Wortbildung.(S.159).

H. Bach macht die interessante Beobachtung, dass diese entlehnten Affixe sowohl mit entlehnten als auch einheimischen lexikalischen Elementen so produktiv verwendet wurden, dass die skandinavischen Sprachen im Lauf der Zeit eine große Anzahl Wörter entwickelten, die heute direkte Parallelen mit dem modernen Hochdeutsch haben, welches die gleichen Wörter unabhängig davon mit den gleichen Affixen und dem gleichen lexikalischen Material gebildet hatte. Es gibt zu viele Beispiele, um sie hier alle einzeln darzustellen, einige Beispiele jedoch sollten ausreichen, diesen Punkt zu belegen: forandring <> Veränderung, forfalske <> verfälschen, fordragelig <> verträglich, indgang <> Eingang, udgang <> Ausgang, udsætte <> aussetzen, opgang <> Aufgang, overenstemmende <> übereinstimmend, medarbejder <> Mitarbeiter, modstand <> Widerstand, tilflugt <> Zuflucht, tilstand <> Zustand, tillade <> zulassen, undergang <> Untergang, understøtte <> unterstützen.

Im Folgenden findet sich eine Liste der hauptsächlichen Entlehnungen von Affixen, illustriert mit Beispielen aus allen drei modernen skandinavischen Sprachen:

 

Nordisches Affix

Affix (MNS)

Heutige Beispiele

Bedeutung

an- (spätes 14. Jh.)

an-

anbefale, anklage, angrepp

empfehlen, anklagen, angreifen

be- (seit 1350)

be-, bi-

bidrage, behandle, betænke, beslut

beitragen, behandeln, bedenken, Beschluss

bi- (schwed.)

bi-

bifalla, bistå

zustimmen, beistehen

fore-

vor-

forekomst, foretrække, foredrag

Vorkommen, Vortrag

för- (schwed.)

vor-

försiktig, fördöma

vorsichtig, verdammen

om-

um-

omgive, omstendighet, omkreds

umgeben, Umstand, Umkreis

over-

over-

overbevise, overhøre, oversætte

überzeugen, verhören, übersetzen

över- (schwed.)

over-

övermod, översätta

Übermut, übersetzen

un-/und- (seit ca. 1400)

unt-

undgå, undskylde, unnvære

entgehen, entschuldigen, entbehren

-aktig (schwed. nach 1450, norw.);
-agtig (dän.)

-achtich

varaktig, karlaktig, lögnaktig, dåraktig, småaktig, byagtig, livagtig, nøjagtig

dauernd, männlich, verlogen,  dumm/albern, kleinlich, städtisch, lebhaft/lebendig, genau

-ande (ca. 1400 in schwed.),

-ende (dän., norw.)

 -ent

inflytande, forehavende, udseende

Einfluss, Vorhaben, Aussehen

-bar (16. Jh. in schwed.)

-bâr

brukbar, frugtbar, kostbar, holdbar, strafbar, stridbar, åbenbar

brauchbar, fruchtbar, kostbar, haltbar, strafbar, streitbar, offenbar

-dan (dän.)

-dân(ne)

sådan, ligesådan, hvordan, ligedan

 

so, genauso, wie, ähnlich

-else (viele urspr. in –nisse)

-sel

skapelse, overdrivelse, spøgelse

Schöpfung, Übertreibung, Spuk

-are (schwed.), -er (dän., norw.)

-êre

borgare, jägare, bæger, maler, lærer

Bürger, Jäger, Becher, Maler, Lehrer

-eri (vor 1400 in dän.)

-erîe

fiskeri, bedrageri, tyveri, skriveri, slagteri

Fischerei, Betrügerei, Diebstahl, Schreiben, Schlachterei

-(er)ska (schwed.)

-ske (dän.) (vor 1400)

-ersche

tvätterska, studentska, syerske, husholderske

Waschfrau, Studentin, Schneiderin, Haushälterin

-het (schwed. vor 1375; norw.),
-hed (dän.)

-heit,     -hêt

nyhed, storhet, flertydighet, rigtighed

Neuheit, Größe, Vieldeutigkeit, Richtigkeit

-häftig (schwed. nach 1450), -heftig (norw.)

-haftig (dän.)

-heftich

mandhaftig, standhaftig

mannhaft, standhaft

-inna (schwed.)
-inde (dän.) (vor 1400)
-inne (norw.)

-inne,    -in

furstinna, hertuginde, grevinde, gudinna

Fürstin, Herzogin, Gräfin, Göttin

-isk (entlehnt oder beeinflusst)

-isch

høvisk, upprorisk, jordisk

höfisch, aufrührerisch, weltlich

-liken

-ligen (schwed.)

-liken

troligen, skäligen,

wahrscheinlich, vernünftig

-mager (dän.)

-maker (norw.)

-makare (schwed.)

-maker

hattemager, skomager, urmaker

Hutmacher, Schuhmacher, Uhrmacher

-näre (schwed.), -ner (dän., norw.)

-(e)nêre

kunstner, gartner, väpnare

Künstler, Gärtner, Waffner

-skap (schwed., norw.)
-skab (dän.)

-schap

vennskap, landskab, ekteskap, borgerskab

Freundschaft, Landschaft, Ehe, Bürgerschaft

-slager (dän.)

-släger

blikkenslager, plattenslager

Klempner, Hochstapler

 

Nicht alle dieser Affixe sind in den heutigen Sprachen noch produktiv. Einige wie an-, be-/bi-, fore-/för-, -ska und und-/unn- fingieren nicht länger als wortbildende Elemente, während om- und over-/över- aktiv gebraucht werden. Die folgenden Suffixe, welche Adjektive, Nomen Agentis und abstrakte Substantive bildeten, sind immer noch in sehr produktiver Verwendung: -aktig/-agtig, -bar (auch durch HD Einfluss), -else, -er, -hed/-het, -ig/-lig. Produktive Adjektivendungen waren damals -et, -sk, -som (agtsom, arbejdsom, beslutsom) und -vorn (drillevorn, sladdervorn, slingrevorn). Die meisten dieser Suffixe konnten sowohl mit einheimischen als auch importierten Wörtern gebraucht werden. –else etwa wird viel mit einheimisch skandinavischem Wortmaterial gebraucht. Die altskandinavischen Sprachen besaßen relativ wenig wortbildende Elemente für abstrakte Begriffe, während MND diese Elemente im Übermaß bot.

Niels Åge Nielsen’s Dansk Etymologisk Ordbog (3. Ausgabe 1976) enthielt nicht weniger als 283 Wörter mit dem aus dem MND stammenden Präfix be-. Ein großes dänisches Wörterbuch dürfte wohl noch mehr enthalten.

Obwohl -ing produktiv und in den altskandinavischen Dialekten einheimisch war, wurde dieses substantivbildende Suffix durch den Einfluss des MND, in welchem dieses Suffix sehr produktiv verwendet wurde, in Gebrauch und Umfang stark erweitert (es ist in den westgermanischen Sprachen ebenso einheimisch, vgl. engl. -ing, niederl. -ing, deutsch -ung). Da -ing im Altschwedischen (Dänischen, Nordischen) ein direktes einheimisches Äquivalent hatte, konnte es problemlos in Wörter entlehnt werden oder neue Wörter bilden. Im Schwedischen und Norwegischen (insbesondere Nynorsk) ist -ing durch die Variante –ning ersetzt worden. Dieses Element bezeichnet häufig eine Tätigkeit oder Person.

Ein anderes substantivbildendes Suffix, -nisse (vgl. engl. -ness, dt. -nis) wurde nicht so ohne weiteres angenommen. Wie in obiger Tabelle beschrieben, verwandelte es sich in den heutigen skandinavischen Sprachen in –else. Dies kam durch die Assoziierung mit einer kleinen Gruppe von Wörtern, welche ursprünglich diese Endung aufwiesen (z. B. altdänisch døpælsæ aus altsächsisch dopilsi). So wurde das MND vengenisse zu fängelse „Gefängnis”, begencnisse zu begängelse „Bestattung”, bedrovenisse zu bedrøvelse „Traurigkeit” und schickenisse zu skickelse „Schicksal”. Ursprünglich nur in Lehnwörtern auftretend, wurde es später produktiv bei der Bildung neuer Zusammensetzungen aus einheimischen dänischen Wörtern, z. B. hændelse „Veranstaltung, Ereignis”, styrelse „Steuerung”, lignelse „Gleichheit”, tilhørelse „Zugehörigkeit”, skikkelse „Abbildung”, velsignelse „Segen”, fristelse „Versuchung” usw. Dieses Suffix wurde in den skandinavischen Sprachen weitaus positiver verwendet als das korrespondierende Element -ilsi im Deutschen. Jedoch ist den norwegischen Sprachwissenschaftlern Didrik Arup Seip und Olav Næs zufolge die Endung in -else einheimisch und kann bereits 1150 in Südostnorwegen nachgewiesen werden; dies bedeutet, dass es bereits vorher gebraucht wurde, um MND Wörter zu „zähmen“. Allerdings sind Seip und Næs mit ihrer Überzeugung in der Minderheit.

Das Präfix be- trat im Norwegischen zuerst im Jahr 1376 auf (behalda) – bytala war im Schwedischen bereits ab 1370 bekannt. Bitala erschien im Norwegischen vor 1400 und setzte sich gegenüber den einheimischen Begriffen gjalda, greiða und reiða durch.

Das Präfix und- war mit dem AN undan verwandt, was bedeutete, dass Lehnwörter wie undfly durch das einheimische fly undan unterstützt wurden.

Das Suffix -heit wird im Norwegischen schon 1353 angetroffen. Im Dänischen und Schwedischen wurde es bereits produktiv für die Bildung abstrakter Begriffe gebraucht (z. B. falskhet, frihet, ärlighet, gudelighed, vanvittighed, retighed, vitterlighed, barmhjertighed, wobei wârheit und swârheit die Muster für sandhed und tunghed abgaben), und im Norwegischen wurde es zum produktivsten Suffix für die Substantivierung von Adjektiven, so dass es für die Wissenschaft oft schwierig ist, zu entscheiden, ob ein Wort entlehnt oder auf Heimatboden gebildet wurde. So könnte beispielsweise das mitteldänische Wort witscap „Wissen” eine einheimische Wortbildung sein, da die Elemente wit + -skap beide in der Sprache vorhanden waren. Trotzdem gilt die Auffassung, dass dieses Wort in seiner Gänze dem MND witscap entlehnt wurde. Das Element -hed konkurrierte mit den einheimischen -lek und -ned und verdrängte diese schließlich so gut wie vollständig aus dem Dänischen (-nad ist im Schwedischen und Norwegischen jedoch immer noch recht verbreitet).

Die Suffixe -dom und -skap sind selten, werden jedoch in einigen wenigen Wörtern angetroffen, wie vennskap, borgerskap, hedendom, trældom.

Die Affixe ge- und er- erschienen spät (um 1550 bzw. im späten 16. Jh.) und eher aufgrund des hochdeutschen als des niederdeutschen Einflusses.

Im 15. Jahrhundert erschien -eri im Norwegischen und wurde für eine Reihe von Berufsbezeichnungen und geschäftlichen Einrichtungen verwendet (es bezeichnete also eine Tätigkeit oder den Ort einer Tätigkeit), etwa skriveri; darüber hinaus wurde es zur Bildung von Wörtern mit derogativer Bedeutung wie ketteri, røveri, svineri, tiggeri, snobberi gebraucht. Im Dänischen und Schwedischen wird es auch heute noch produktiv verwendet (z. B. avguderi „Heidentum”, baktalari „Verleumdung, üble Nachrede”). Ein weiteres wichtiges Suffix erscheint bei Substantiven, die in -er enden und einen „Täter“ bezeichnen, z. B. borger, lærer.

Andere verbreitete Affixe werden in untenstehender Liste aufgeführt. Es sollte auch der MND Einfluss auf den Gebrauch des einheimischen Adjektiv- und Adverbsuffixes -lig (-ig) erwähnt werden. Obwohl dieses Element allen germanischen Sprachen gemein ist (vgl. AN -ligr, -legr, AE -lîc, AHD -lîh, Got. -leiks, adän. -likær, aschwed. -lîker), kann seine gegenwärtige Beliebtheit und verbreiteter Gebrauch für die Wortbildung zu einem großen Teil dem MND Einfluss durch das Suffix -lîk zugeschrieben werden. Niels Åge Nielsen (siehe Literaturliste) bemerkt in seinem Dansk Etymologisk Ordbog:

"De Nord. adj. (og adv.) på -lig er for en stor dels vedkommende lånt fra el. påvirket af de modsv. former mnty. -lîk, nty. -lik, ty. -lich." (S.261; er führt daraufhin eine Liste von Beispielen einheimischer Wörter, die auf -lig enden, und solcher, die aus dem MND entlehnt oder von ihm beeinflusst wurden, an.) In der Tat verschwand das substantivierende Suffix -leikr fast vollständig aus dem Dänischen und fiel mit der Adjektivendung -lig zusammen (vgl. aber. norw. kjærleik, schwedisch kärlek).

Ähnliche Beobachtungen zu -ig im Schwedischen macht Bertil Molde (siehe untenstehende Literaturliste):

"Att -ig dominerar som avledningselement för adjektivbildning (blodig, stenig) beror också i hög grad på inflytande från lågtyskan." (p.78)

Der Einfluss des MND Adjektivsuffixes -ich veränderte die Endung -ogh einheimischer Substantive zu -ig (eine leichte Veränderung); Wörter mit der Endung -ig wurden daraufhin aktiviert und wurden dank des MND Einflusses produktiv.

Direkte Entlehnungen hingegen sind etwa das mittelschwedische ävigh „ewig”, pliktligh „verpflichtet” und värdigh „würdig, wert” aus dem MND êwich, pliktigh und werdich.

Formen, die auf das einheimisch schwedische Adjektivsuffix -ug enden kommen jedoch noch in einigen nordschwedischen Dialekten vor, z. B. nyttug „nützlich”, stenug „steinig”, tokug „dumm, doof”.

Die Verkleinerungsformen -ken, -ke und -lín (vgl. deutsch -chen, -lein) gibt es in der Regel nur als direkte Entlehnungen aus dem MND, z. B. frøken „Fräulein”, tallerken „Teller”, nellike „Nelke”, sønneke „Söhnchen”, hønnike „Hühnchen”.

H. Bach erwähnt lykke, klog und smuk als wahrscheinliche Modewörter, und weist darauf hin, dass diese Wörter auch im Hochdeutschen MND Importe sind.

Leichtere Auswirkungen hatte das Mittelniederdeutsche auf die Syntax und einige morphologische Aspekte wie Substantivflexion, obwohl die meisten Wissenschaftler darin übereinstimmen, dass die generelle Nivellierung des skandinavischen Flexionssystems und die Tatsache, dass die Struktur der skandinavischen Syntax eher analytisch (wobei die Bedeutung durch die Satzstellung vermittelt wird) als synthetisch (wobei die Fallendungen die grammatische Information liefern) ist, auf den Einfluss des MND zurückzuführen ist. Diese Struktur entwickelte sich während des hier behandelten Zeitraums, was bedeutet, dass die festlandskandinavischen Sprachen im 16. Jahrhundert bereits die Form hatten, wie wir sie heute kennen. (Die intensivste Periode des Sprachkontakts scheint während des 14. und 15. Jahrhunderts gewesen zu sein, und die nordischen Sprachen wurden während dieser Periode am stärksten beeinflusst). Lars S. Vikør erläutert (S. 41): “The influence from Low German may have been even more profound…it may have stimulated the morphological simplification of [Mainland] Scandinavian.Allerdings vollzog sich der Wandel zu einer nivellierten Flexion und einer zunehmend analytischen Syntax mehr (z. B. Englisch) oder minder (z. B. Deutsch) in allen germanischen Sprachen, unabhängig von der Art der Sprachkontakte. Einige Forscher argumentieren, dass diese Merkmale das Ergebnis davon waren, dass Sprecher des Mittelniederdeutschen die skandinavischen Sprachen nicht korrekt gebrauchten und so eine grammatisch vereinfachte Mischsprache erwuchs; dies ist durchaus ein vertretbarer Standpunkt. (Diese Ansicht ist besonders unter schwedischen Wissenschaftlern verbreitet.) Die wahre Natur einer solchen Mischsprache wird erst dann deutlich, wenn die Anzahl der Lehnwörter solch ein Ausmaß angenommen hat, dass direkte Auswirkungen auf die grammatische Struktur der einheimischen Sprache zu sehen sind. Viele der MND Wörter ließen sich nicht einfach in das skandinavische Fallsystem eingliedern, was zu einer alternativen Meinung führt, nämlich dass die Lehnwörter selbst der Grund für den Verlust des klassischen Fallsystems waren. Keith Boden vertritt die Gegenthese zu der Mischsprache-Theorie: Er weist darauf hin, dass die deutschen Hanseaten als Sprecher der Prestige-Sprache keinen Anlass gehabt hätten, skandinavische Sprachen zu lernen, bis die Hanse unterging und die skandinavischen Königreiche auferstanden. Daher ist es unwahrscheinlich, dass ein lückenhafter Erwerb der skandinavischen Sprache durch die Deutschsprechenden für den MND Einfluss auf das skandinavische Flexionssystem verantwortlich ist. Was jedoch auch immer die Ursache dafür gewesen sein mag – es erscheint wie oben dargelegt wahrscheinlich, dass der Kontakt mit dem MND diese bereits bestehenden Prozesse in den festlandskandinavischen Sprachen sowohl beschleunigte als auch ihre Richtung bestimmen half.  

Obige Argumente zusammenfassend und eine Wiederholung wert sind Bertil Moldes Kommentare zu der relativen Leichtigkeit, mit der Lehnwörter aus dem MND in die einheimischen skandinavischen phonologischen, morphologischen und lexikalischen Systeme aufgenommen werden konnten:

"Detta lågtyska språk hade på vissa viktiga punkter stora likheter med svenskan (och danskan). Det hade t.ex. inte högtyskans diftonger, och den s.k. högtyska ljudskridningen (dvs. övergangen av t.ex. äldre /p/ till /f/) hade inte genomförts i lågtyskan. Detta gjorde att lågtyskan hade ordformer som sten, hûs, ôge, tunge, dragen, gripen (motsvarande högtyskans Stein, Haus, Auge, Zunge, tragen, greifen) dvs. former som uttals- och stavningsmässigt låg mycket nära svenskans. Sådana likheter mellan lågtyskan och den medeltida svenskan var av avgörande betydelse för möjligheterna för svenskan att ta emot lån från lågtyskan. Dessa lån kom att bli av väldig omfattning, och de finns inom praktiskt taget alla områden." (S. 77)

Und weiter:

"Deres allmänna struktur (i fråga om ljud, stavning, böjning) låg redan från början så nära strukturen hos inhemska ord att assimilations processen gick snabbt." (S. 79)

Zu den von Molde aufgezählten Formen könnten MND Formen wie open, tam, eten, riden, vören, varen, leggen, setten, gôt und dôt (vgl. die verwandten schwedischen Wörter öppen, tam, äta, rida, föra, fara, lägga, sätta, god und död) hinzugefügt werden; vergleiche die entfernteren hochdeutschen Wörter offen, zahm, essen, reiten, führen, fahren, liegen, setzen, gut und tot.

Diese Nähe in Wortschatz und Phonologie wird von Moberg als ein wichtiger Grund angeführt, warum MND trotz seiner guten Integration nicht die Sprache der skandinavischen Länder wurde.  Die skandinavischen Sprachen waren dem MND nah genug, dass es nicht zu fremd erschien, und mit der Entlehnung neuer, wortbildender Affixe konnten skandinavische Sprecher nach Bedarf recht problemlos neue Wörter aus einheimischen oder entlehnten Elementen bilden. Die Einheimischen hatten nicht das Gefühl, eine Sprache zu lernen und zu gebrauchen, die sich sehr von ihrer eigenen unterschied. Die Tatsache, dass wortbildende Elemente ohne eigenständige Bedeutung von einer in die andere Sprache entlehnt werden und produktive Wortklassen bilden konnten, weist auf die Nähe zwischen MND und den spätmittelalterlichen skandinavischen Sprachen hin.  

Darüber hinaus wird die Gruppe zweisprachiger Sprecher, die durch Eheschließungen zwischen den Einheimischen und den niederdeutschen Einwanderern entstand, den Einfluss des MND auf die weniger angesehenen skandinavischen Sprachen verstärkt haben. Dies ist eine weitere Ursache für den Einfluss des MND auf die skandinavischen Sprachen. Moberg erwähnt einen gewissen Helmik van Nörden, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Aufzeichnungen für Stockholms rådstuga machte. Helmik scheut sich nicht, Wörter mit ursprünglich niederdeutschen Endungen an einheimischen Stammwörtern zu gebrauchen, z. B. sanhet, thunghet an Stelle der MND wârheit und swârheit. Mühelos wechselt er zwischen dem einheimischen läkiare „Arzt” und dem importierten Wort arst, zwischen dem einheimischen vindögha „Fenster” und dem Import fenster, und zwischen anlite „Gesicht” und ansikt.

Mit der Zeit, als die Macht der Hanse im 15. Jahrhundert langsam zerfiel und die Neue Welt entdeckt wurde, ließ auch der Einfluss des MND auf die nordischen Sprachen nach. (Wie Ahldén in seinem Artikel aufzeigt, wurde jedoch noch bis ins 19. Jahrhundert, wenn auch in viel geringerem Umfang, aus dem MND in die skandinavischen Sprachen entlehnt). Es ist unwahrscheinlich, dass eine große Anzahl Skandinavier MND perfekt beherrschte. Die partielle Zweisprachigkeit schwand nach und nach dahin; die Deutschen passten sich an und sprachen die skandinavischen Sprachen bald mit niederdeutscher Färbung.

Gleichzeitig brachten die Erfindung des Buchdrucks und später die Lutherbibel eine neue Welle hochdeutschen Einflusses nach Skandinavien. Tatsächlich erleichterten die bereits vorhandenen niederdeutschen Lehnwörter im Skandinavischen den Eingang hochdeutscher Wortformen und Entlehnungen ab Mitte des 16. Jahrhunderts. Das schwedische Neue Testament von 1526 wandte sich an Stadtbewohner und vermied ältere einheimische Wörter und Ausdrücke, wie sie in der Vadestena Bibel vorkamen, um für die Zielgruppe, welche eine beträchtliche Anzahl niederdeutscher Lehnwörter verwendete, klar und verständlich zu sein. So finden sich Wörter wie fråga anstelle des einheimischen spörja, begynna statt börja, behaga und behaglig statt der einheimischen thäkkias und thäkkelig, måste statt måtte, ansikte statt anlete. Der skandinavische Buchstabe å, welcher der niederdeutschen literarischen Tradition entstammte, hielt ab etwa dieser Zeit Einzug in die skandinavischen Sprachen. Nicht nur die Bibel, auch viele Psalmen und Lieder basierten auf deutschen Vorbildern.

Bis spätestens 1540 hatte das Kanzleramt des dänischen Känigs sich komplett auf Hochdeutsch umgestellt. Insbesondere die lutherische Reformation öffnete einer Flut hochdeutscher Wörter und syntaktischer Einflüsse die Tür ins Skandinavische. Viele Männer der schwedischen Reformation waren in Deutschland ausgebildet worden. Hochdeutsch, das bis 1945 als Quelle von Entlehnungen und anderen sprachlichen Merkmalen Einfluss hatte, wird in einem gesonderten Artikel behandelt. Es wird an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen, dass Entlehnungen aus dem Mittelniederdeutschen und aus MND Elementen gebildete Wörter nie in dem Umfang von Sprachpuristen thematisiert worden sind wie die späteren hochdeutschen Importe – viele können MND Wörter wohl nicht einmal als solche identifizieren, da sie derart in der Sprache verwurzelt sind.  

Da MND sich zunächst in der gesprochenen und erst später in der geschriebenen Sprache manifestiert haben wird, ist das Wissen um seinen genauen Werdegang begrenzt. Eine der größten Kontroversen in diesem Bereich ist, ob die Lehnwörter im Schwedischen nun durch das Dänische eingeführt wurden oder direkt aus dem MND kamen. Für einige wenige Wörter wie bagare weisen die Formen im Schwedischen darauf hin, dass sie über das Dänische kamen. Allerdings steht das Urteil für die Mehrzahl der Wörter noch aus, bis detailliertere Studien abgeschlossen worden sind. Diese kontroverse, aber sehr bedeutende Fragestellung kann an dieser Stelle daher nicht weiter vertieft werden.

Wie auch immer ihr Werdegang gewesen sein mag – aus dem MND stammende Wörter können gegen Ende des 16. Jahrhunderts selbst in ländlichen schwedischen Dialekten nachgewiesen werden, und Untersuchungen von Lennart Elmevik belegen, dass die Dialekte weitaus stärker von ND durchdrungen waren als bisher angenommen.

Ab 1600 waren die MND Lehnwörter so gut angepasst, dass nur wenige Sprecher sich bewusst waren, dass diese Wörter ausländischen Ursprungs waren (im Gegensatz zu vielen späteren hochdeutschen Entlehnungen, die aus den Sprachen eliminiert wurden). Heutzutage erkennen unter den Sprechern skandinavischer Sprachen nur Sprachwissenschaftler, dass diese Wörter MND Ursprungs sind.

Wenn Esaias Tegnér der Ältere (1782-1846) in seinem Gedicht Språken (1817) Schwedisch als „Ärans och hjältarnas språk!” bezeichnet, war er sich offensichtlich nicht der Ironie bewusst, dass allein in diesem Satz drei Substantive (êre, helt, sprâke) aus dem MND stammten.

**

*HINWEIS: Diese Listen können nur einige der gebräuchlichsten, wichtigsten oder anderweitig interessanten MND Entlehnungen darstellen. Es gibt unzählige, und ganze Bände sind mit ihnen gefüllt. Absichtlich ausgeklammert sind fachbezogene Ausdrücke, etwa aus dem Bereich von Fischerei und Seefahrt, aber auch einige naturwissenschaftliche Begriffe. Alle in den Listen vorgestellten Wörter sind nach dem Wissensstand des Autors immer noch in allen oder wenigstens einer skandinavischen Sprache aktuell – und die Listen geben die modernen Formen samt ihren heutigen Bedeutungen wieder. Entlehnungen aus dem MND in das Isländische und Färöische sind hingegen ein gesondertes und komplexeres Thema und werden in einem späteren Artikel behandelt. Einige allgemeine Hinweise über die Aufnahme niederdeutscher Entlehnungen in die nordischen Inselsprachen erscheint an dieser Stelle jedoch angebracht.  

Isländisch und Färöisch erhielten weitaus weniger direkte Entlehnungen aus dem MND, was hauptsächlich auf ihre isolierte geographische Lage und ihre Handelsabkommen mit Norwegen und später Dänemark zurückzuführen ist. Die meisten Entlehnungen in diese nordatlantischen Sprachen kamen daher indirekt durch das Norwegische oder (vor allem) Dänische. Es gab zwar weniger Entlehnungen in das Isländische als in die festlandskandinavischen Sprachen, aber diejenigen, die es gab, wurden bis ins 17. Jahrhundert, als das Blatt sich gegen sie wendete, mit Vorliebe in der gelernten Schriftsprache verwendet. Diese Entlehnungen (sowie diejenigen, die hauptsächlich festlandskandinavischen Ursprungs waren) wurden später zunehmend als schädlich und unnötig angesehen. Diese Einstellung gipfelte im letzten Jahrhundert in der hreintungustefna (Politik des Sprachpurismus), welche bis heute die Kriterien für die Aufnahme eines Fremdworts im Isländischen definiert. So wurden viele durch das Dänische eingeführte niederdeutsche Entlehnungen und rein dänische Wörter zugunsten einheimischer Wortbildungen aus der Sprache entfernt, und die meisten aus den ursprünglichen Importen entlehnten produktiven wortbildenden Elemente wurden aus der Schriftsprache ausradiert. Das Ergebnis ist ein unverfälschtes, aber sehr anderes Isländisch als das des 17. Jahrhunderts und zuvor. Ähnliches kann im Hinblick auf die leidenschaftlicheren Anhänger des norwegischen Nynorsk beobachtet werden, welche die niederdeutsche „Einmischung“ zu minimieren suchen. Die Lage im Färöischen ist sehr viel komplizierter, da diese Sprache immer noch unter dem beträchtlichen Einfluss des Dänischen steht. Zwar gibt es auch dort eine Bewegung zugunsten einer weniger durchmischten Sprache, allerdings ist deren Einfluss sehr viel geringer. Daher ist der niederdeutsche Einfluss auf den färöischen Wortschatz (überwiegend durch das Dänische) deutlicher, aber nicht zu vergleichen mit den festlandskandinavischen Sprachen.  

Einige der in den untenstehenden Listen aufgeführten Wörter sind Element-Lehnübersetzungen (z. B. domkyrka aus MND dôm und (ursprünglich) AN kirkja), aber diese werden als wichtig oder interessant ebenfalls angeführt).

Die mittelniederdeutschen Formen sind mit Zirkumflexen als Häkchen zur Anzeige langer Vokale dargestellt, da in einem HTML-Text keine Längestriche dargestellt werden können.  

In vielen Fällen dürften vermeintlich aus dem Mittelniederdeutschen stammende Wörter in den skandinavischen Sprachen enger mit den entsprechenden Formen des modernen Niedersächsisch verwandt sein als mit den aus schriftlichen Quellen bekannten mittelniederdeutschen Formen. Dies ist besonders auffällig, wenn Vorderzungenvokale (y, ö/ø und ä/æ/e) mit Vorderzungenvokalen im ModNS korrespondieren (ü/üü, ö/öö, ä/ää e/ee), während dies in der mittelniederdeutschen Schriftsprache Hinterzungenvokale sind (u/û, o/ô, a/â). Andere Entlehnungen aus dem MND in den skandinavischen Sprachen ähneln ihren Verwandten im ModNS stärker als im geschriebenen MND. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass diese Lehnwörter aus gesprochenen niedersächsischen Dialekten entlehnt wurden, bei denen die Vokalveränderung (Umlautung) und andere Veränderungen bereits stattgefunden hatten, während dies zu jener Zeit noch nicht von der standardisierten und vermutlich konservativeren Schriftsprache wiedergegeben wurde. Darüber hinaus enthüllen Vergleiche zwischen den skandinavischen Formen und den ModNS Formen in einigen Fällen, dass es mehr als einen MND Geberdialekt gab. So ist das schwedische Wort sedel mit ModNS Zedel verwandt, während das dänische Äquivalent seddel mit der ModNS Variante Zeddel verwandt ist. Aus diesem Grund werden verwandte Formen im ModNS und, wo als notwendig erachtet, modernen Niederländisch (NL) zu Vergleichszwecken hinzugefügt. Dieser Vergleich beschränkt sich auf eigentliche verwandte Formen, also direkt übereinstimmende Wörter, und bedeutet nicht, dass es keine nahverwandten Wörter gibt. Ein verwandtes Wort muss nicht zwangsläufig die gleiche Bedeutung wie das skandinavische Lehnwort haben.

ModNS besteht aus vielen verschiedenen Dialekten und hat bis heute keinen Standarddialekt und keine Standardorthographie. ModNS Formen werden hier als deutscher niedersächsischer Dialekt in konventioneller deutscher Orthographie wiedergegeben. Ein langer Vokal wird durch einen einzelnen Buchstaben wiedergegeben, wenn er sich in einer offenen Silbe befindet (z. B. Damen) und durch einen Doppelbuchstaben, wenn er sich in einer geschlossenen Silbe (z. B. Daam) oder vor mindestens zwei Konsonanten (z. B. Paaschen) befindet. Ein langes /i/ ist immer als ie dargestellt. Deutsche Rechtschreibung unterscheidet lange Vokale von Diphthongen nur optional durch ein Häkchen (Ogonek) unterhalb von e und ö, um lange Monophthonge zu kennzeichnen. Dies wird jedoch selten angewendet. Anstelle eines Häkchen wird hier ein Buchstabe, welcher einen langen Vokal repräsentiert, unterstrichen, z. B. beden [be:dn] ~ [bE:dn] ‘bitten, beten’ vs. beden [bEIdn] ~ [baIdn] ‘bieten’, Kööm [kø:m] ‘Kümmel’ vs. kööm [kœIm] ~ [kOIm] ‘kam’, Toon [to:n] ‘Ton’ vs. Book [bouk] ~ [bauk] ‘Buch’. Ein Apostroph nach einem Konsonanten zeigt an, dass wo ein früheres -e verschluckt wurde, gedehnt wird: Der Konsonant wird nicht wie üblich verhärtet, und der vorhergehende Vokal oder Diphthong ist übermäßig lang.  

 

* Hinweis: Eine Anzahl möglicher MND Entlehnungen erscheint auch in dem Artikel zu hochdeutschen Entlehnungen in den skandinavischen Sprachen desselben Autors.

 

1 - NOMEN

(Die angegeben Daten beziehen sich auf das erste Erscheinen im Schwedischen).

*Alle Entlehnungen, wenn nicht anders angegeben, werden dem Mittelniedersächsischen (MNS) zugeschrieben.

Schwedisch

Dänisch

Deutsch

MNS

Altnordisch

Mod. NS od NL

------

bødker

Böttcher

bödiker

 

 

------

forskel

Unterschied

vorschel

munr

Verscheel, Verschääl

------

forsæt

Vorsatz, Absicht

vorsat

mál, ætlan

Vörsatt (Entscheidung, Plan)

------

fætter

Vetter

vedder

frændi

Vedder

------

kok

Koch

koch

 

 

------

køgemester

Meisterkoch

kôkenmester

 

 

------

maler

Maler

 

 

Maler

------

optog

Aufzug, Aufmarsch

optoch

 

---

 

pebersvend

Junggeselle

 

 

 

------

taske

Tasche

tasche

 

Tasch

------

tæppe

Teppich

teppet

 

 

------

udtog

Auszug, Abstract

ûttoch

 

Uttog

adel

adel

Adel

adel

 

Adel

akt

agt

Akt, Dokument

âcht

rit; lög

Akt(e); akte (NL)

allvar

alvor

Ernst

alwâr

alvara (MND Entlehnung)

(alwaar ‘wobei’ (NL))

amma

amme

Amme

amme

 

Amm

amt
(1620)

amt

Amt, Bezirk

ambacht,
ammecht

 

Amt

andakt (ca. 1620)

andagt

Andacht

andacht

bænir

Andacht

andel

andel

Anteil

andêl

hlútr

Andeel

andrake

andrik

Enterich, Erpel

anderik

andarsteggr

---

anfall

anfald

Anfall

anval, aneval

áhlaup

Anfall

angrepp

angreb

Angriff

angrepe

áhlaup

Angreep

anhang
(1527)

anhang

Anhang

anhang

 

Anhang

ankomst

ankomst

Ankunft

ankumpst

koma, kváma

Ankumst

anrop

anråb

Aufforderung, Herausforderung, Aufruf

anrop

áskoran

Anroop (Anruf)

ansikte

ansigt

Gesicht

ansichte

andlit

 

anskri

anskrig

Aufschrei, Geheul

anschrî

óp, öskr

---

anslag

anslag

Auswirkung; Schätzung; Veranschlagung

anslach

ætlan

Anslag, Anslach

anspråk

------

Forderung

ansprake

kröf

Anspraak

anstöt

anstød

Anstoß

anstôt

afbrot

Anstoot

antal

antal

Anzahl

antal

tala

aantal (NL)

antal

antal

Anzahl

antal

tal

Antall, Antaal

arbete

arbejde

Arbeit

arbeit

erfiði

Arbeid

armod

armod

Armut

armôt, armôde

fátækð

Armood

art

art

Art

art

tigund, kyn

Aard, Aart, Oort

avdelning

afdeling

Abteilung

afdêlinge

deild

afdeling (NL)

avlösning

afløsning

Erlösung, Auflösung

aflosinge

 

 

bagare

bager

Bäcker

bakker

 

Backer

bedrift

bedrift

Betrieb

bedrif

afrek, dáð

Bedriev, Bedrief

bedrövelse

bedrøvelse

Traurigkeit, Betrübnis

bedrôvenisse

 

 

befallning

befalning

Befehl

 

 

Befehl

befordring

befordring

Beförderung

 

 

 

begrepp

begreb

Begriff

begrîp, begrêp

 

Begreep

begär

begær

Begehren

beger

þrá, lyst

Begehr

behag

behag

Behagen

behach

lyst, ánægja

Behaag, Behaach, Behagen

behov

behov

Bedarf

behôf

þorf

behoef (NL)

behov

behov

Bedarf

behôf

þörf, nauðr

---

behåll

behold

Aufbewahrung

beholt

geymsla, varðveizla

---

bekymmer

bekymring

Sorge, Kummer

bekumberinge

áhyggja

 

belevenhet

------

Höflichkeit, gutes Benehmen

belewtheit

kurteisi

---

belopp

beløb

Menge, Betrag

belôp

 

beloop (NL)

beläte

billede

Bild

bilde, belde

mynd

Bild; beeld (NL)

beråd

beråd

Dilemma, Zwickmühle

berât

tvímæli, tvísýni

---

besked

besked

Bescheid

beschêd

boð

Bescheed

beslag

beslag

Beschläge, Zubehör

beslach

 

Beslag, Beslach

beslut

beslutning

Beschluss

beslut

ákvæði

Beslutt

bestyr

(bestyrelse)

Beschäftigung, Besorgung, Mühe, Arbeit

bestür

verk, stjórn, viðskipti

Bestüür

bestånd

bestand

Bestand, Lager

bestant

birgðir

Bestand

beställning

bestilling

Bestellung

 

 

 

besättning

besættelse

Beschäftigung

besettinge

hernám

bezetting (NL)

betryck

betryk

Bedrückung, Bedrücktheit

bedruck

nauð

---

bevillning

bevilling

Bewilligung

bewillinge

veiting

---

bevis

bevis

Beweis

bewîs

sannindi

Bewies

bevåg (ca. 1540)

------

Befugnis

bewach

ábyrgð

---

bihang

------

Anhang

bîhank

viðauki 

 

bilaga

bilag

Anhang, Anlage

bilage

 

Bi(e)lage, Bi(e)laag'

bild

billede

Bild

bilde, belde

mynd

Bild; beeld (NL)

bisittare

bisidder

Beisitzer, Beobachter

bisitter

 

Bisitter

bislag

bislag

Veranda

bislach

 

Bislag, Bislach

blick
(ca. 1593)

blik

blicken

blick

ásyn

 

borgare

borger

Bürger

borgere

 

Börger

borgmästare

borgmester

Bürgermeister

borgermêster

 

Börgermeester

bovete

boghvede

Buchweizen

bôkwête

 

Bookweten

brännvin

brændevin

Branntwein

bernewîn

 

Brandwien

bukt

bugt

Bucht

bucht

vík

Bucht

bult

bolt

Bolzen

bolte

 

Bult, Bült

burskap

borgerskab

Bürgerschaft

bûrschap

borgarlýðr

 

byxa

bukse

Hose

buxe

 

Büx(e), Bux(e)

bålverk

bolværk

Bollwerk

bolwerk (MND)

 

Bollwark
bolwerk (NL)

båtsman

bådsmand

Bootsmann

bôtsman

bátsmaðr

Bootsmann

bädd

-------

Bett

bedde

rúm, sæng

Bedd, Bett

bägare

bæger

Bäcker

beker

bakari

Backer, Bäcker

bäver

bæver

Bieber

bever

bjórr

Bever, Bewer

bödel

bøddel

Henker

bodel, boddel

 

Bödel, Bodel

börs

børs

Börse

börs (ND), burse (MND)

fjárfundr, sjóðr

Börs(e) (‘Geldbeutel’, ‚Börse, Aktienmarkt‘)

bössa

bøsse

Büchse

busse

 

Büss(e), bus

?

bøssemager

Büchsenmacher

?

------

 

del

del

Teil

dêl, deil

hlutr

Deel

dikt

digt

Gedicht

dichte

kvæði

 

docka

dok

Dock

MNL dok, MND docke

 

 

domherre
(1640)
(heute domare)

domherre
(heute dommer)

Richter

dômherre

dómsmaðr

Doomherr

domkyrka

domkirke

Domkirche

dôm (MND) +
kirkja (AN)

dómkirkja

Dookark

dop

dåb

Taufe

dope

 

 

drake

drage

Drache

drake

dreki

Drake

dryckenskap

drukkenskab

Trunkenheit

drunkenschap

drykkjuskapr

 

dräkt

dragt

Tracht, Kleid

dracht

umbúningr, klæði

Dracht

dunder

dunder

Donner

dunner

 

 

dust

dyst

Kampf, Gefecht

dust, diest

bardagi

 

däck

(ca. 1690)

dæk

Deck

dek (ND od NL)

 

 

döp

dåb

Taufe

dôpe

skírn

Dööp

ebb
(1787)

ebbe

Ebbe

ebbe (NL)

fjarra

Ebb; eb(be) (NL)

egendom

ejendom

Eigentum

êgendôm (MND)

eign

Egendoom

egendom

ejendom

Eigentum

egendom

eign,

Egendom

elände

-------

Elend

ellende

aumleikr

Elend

endräkt

endragt

Eintracht

eindracht

samræði, samhljóðan

Eendracht

-eri

-eri

(Suffix für die Bildung von Nomen Agentis)

-erîe

 

-eree, -erie

fack

fag

Fach(richtung)

vak (MND)

 

Fack

fadder

fadder

Pate

vadder

 

 

falk

falk

Falke, Habicht

valke

haukr, fálki

Falk(e)

fals

fals

Falschheit, Betrug

vals

lygi

falsch

falskhet

falskhed

Falschheit, Lüge

valschheit

 

Falschheit 

fana

fane

Fahne

vane

merki

Faan, Fahn

fara

fare

Gefahr

vâre

hætta

Faar, Fahr

fartyg

fartøj

Fahrzeug

fartüg (MND)

skip

Faartüüg, Fahrtüüg

feber

(ca. 1533)

feber

Fieber

feber

 

 Fever, Fewer

fejda

fejde

Fehde, Streit, Krieg

veide

stríð, ófriðr

Fede, Feed'

fel
(ca. 1520)

fejl

Fehler

feil, fegel

villr

Feel

fett

fedt

Fett

fett
(MND)

feitr

Fett

ficka

-----

Tasche

ficke

 

Fick

fiol

fiol

Geige, Violine

viole

 

 

flagg
(1605)

flag

Flagge

flagge (MND) od vlag (NL)

 

Flagg(e)

flykt

flugt

Flucht

vlucht, vlücht

flótti

Flucht, Flücht

flöjt

fløjte

Flöte

flöite

 

 

fogde

foged

Vogt

voget

sýslumaðr

Voogt

fotfolk

fodfolk

Fußvolk

vôtvolk

fótgönguherr

 

fotgängare

fodgænger

Infantrist
(heute "Fußgänger")

vôtgenger

fótgöngumaðr

 

frakt
(1524)

fragt

Fracht

vracht

farmr

Fracht

fru

frue

Frau, Dame

vrouwe

kona

Fru, Fro

frukost

frokost

Frühstück
(dän. =Mittagessen")

vrôkost

 

Fru(h)kost
Frö(h)kost

frukt

frugt

Frucht

vrucht

 

Frucht

fruktan

frygt

Furcht

vruchte

hræzla, ótti

Forcht, Furcht

fröken
(1560)

frøken

Fräulein

vrouwekin, vrouken

 

 

fukt

fugt

Feuchte

vucht

 

 

fullmakt

fuldmagt

Vollmacht

vulmacht

yfirskipan

Vullmacht
Vollmacht

fullmäktig

fuldmægtig

Bevollmächtigter

vulmechtich

forstjóri

Vullmacht

furste

fyrste

Fürst, Prinz

vorste, vurste

vísir

 

furstinna

fyrsteinde

Fürstin, Prinzessin

vorstinne

dróttning

Förstin

fyr

fyr

Feuer

vûr, vuer

eldr

Füür

fält

felt

Feld

velt

 

Feld

fängelse

fængsel

Gefängnis

vengnisse

fangelsi

 

färg

farve

Farbe

varwe, varve

litr

Farv(e)

fästning

(ca. 1630)

fæstning

Festung

vesteninge

 

 

föga

(falla till föga)

føje

(falde til føje)

Entstehung, Ursache; Fügung

(sich einer Sache fügen, kapitulieren, aufgeben)

vôge

(in de vôge fallen)

örsok 

 

fönster (verdrängte aschwed. vindögha)

------

Fenster

vinster, venster

gluggr

Finster, Fenster

förakt

foragt

Verachtung

voracht

 

---

förbud

forbud

Verbot

vorbot

 

 

förbund

forbund

Verbund

vorbunt

lag, samfélag

Verbund

fördel

fordel

Vorteil, Gewinn

vordêl

gagn

Fördeel

fördrag

------

Vortrag

vordrach

 

verdrag (NL)

förekomst

forekomst

Vorkommnis

vorkumpst

 

---

föreståndare

forstander

Vorsteher

vorstender

forstjóri

---

förfall

forfald

Verfall, Niedergang

vorval

niðrfall

Verfall

förfång

------

Vorurteil

vorvank

 

---

förgift

forgift

Gift

vorgift

eitr

---

förgängelse

(forgængelighed)

Korruption, Bestechung

vorgenknis

spilling

---

förhänge

forhæng

Vorhang

vorhenge

tjald

Vörhäng

förhör

forhør

Verhör

(vorhören)

 

 

 

förköp

forkøb

Verkauf

vorkôp

 

Verkoop

förlopp

forløb

Verlauf

vorlop

 

 

förlov

forlov

Erlaubnis

vorlôf

leyfi

Verlööv, Verlööf

förlust

------

Verlust, Schaden

vorlust

tapan, skaði

Verlust

förnuft

fornuft

Vernunft

vornuft

skynsemd

 

förräder

forræder

Verräter

vorrêder

svikamaðr

Verrader, Verräder

förstånd

forstand

Verstand, Vernunft

vorstant

vitsmunr, skynsemd, samvizka

Verstand

förtret

fortræd

Verdruss, Schaden

vordrêt

skapraun; skaði

Verdreet

gaffel

gaffel

Gabel

gaffel(e)

 

Gaffel

garvare

garver

Gerber

garwer, gerwer (ND)

sútari

Garver

gemål

(ca. 1565)

gemal

Gemahl

gemâl

maki

 

gesäll

gesel

Geselle

geselle

 

Gesell(e)

gevär
(1620)

gevær

Gewehr

gewêre

 

Geweer, Gewehr

gikt

(ca. 1578)

gigt

Gicht

gicht, jicht

 

Gicht, Jicht

greve

greve

Graf

greve, grave

jarl

Graaf
Greef

grevinna

grevinde

Gräfin

grevinne

greifinna

(Gräfin)

gräns

grænse

Grenze

grense, grenitze

merki

Grenz(e), Grenß(e)

gunst

gunst

Gunst, Gnade

gunst

náð

Gunst

gåva

gave

Gabe, Geschenk

gâve

gjöf; giäf (altschwed.)

Gaav', Gave

-gängare

-gænger

-gänger, -geher

-genger, -ginger

fótgöngmaðr

-gänger

haj
(1674)

haj

Hai

haai

 

Hai

handel

handel

Handel

handel

 

 

handske

handske

Handschuh

hantschô, hantsche

hanzki

Handsch(e)

handskmakare

handskemager

Handschuhmacher

 

 

 

hantwerk
(1540)

håndværk

Handwerk

hantwerk

iðn

Handwark;
handwerk (NL)

hast

hast

Hast, Eile

hast

skynding, skyndir

Hast

helgon (Pl.)

helgen

Heilige

thie hêlagon (altsächs.)

 

 

herre

herre

Herr

hêrre (MND)

maðr, karlmaðr

Herr

herrskap

herskab

Herrschaften

hêrschop, hêrschap

 

Herrschup(p)
Herrschop(p)

hertig

hertug

Herzog

hertoch, hertich

hertoga 

Hertog, Hertoch

hertiginna

hertuginde

Herzogin

hertochinne

 

 

hingst

hingst

Hengst

hinxt, hingest

hestr

Hingst

hjälte

helt

Held

helt

hetja

Held

hjältinna

heltinde

Heldin

 

 

 

hopp

håb

Hoffnung

hôpe (MND)

ván

hoop (NL)

hov

hof

Hof, vornehme Gesellschaft

hof

hirð

Hoff

högmod

hovmod

Hochmut

hogmôt

 

 

husgeråd

husgeråd

Haushaltsgeräte

hûsgerât

 

 

husman